Neue Flüchtlingswelle auf italienischer Insel Lampedusa

17. Oktober 2002, 11:57
posten

320 Immigranten in 24 Stunden eingetroffen

Rom- Eine neue Flüchtlingswelle überrollt die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa südlich von Sizilien. Am Donnerstag landeten 90 Personen auf der knapp 20 Quadratkilometer großen Insel, die näher bei Tunesien als bei Sizilien liegt. Der Strom von Flüchtlingen, die den Meeresarm zwischen Tunesien und Lampedusa überqueren, um nach Italien zu gelangen, ist offenbar nicht zu stoppen.

In den vergangen 24 Stunden erreichten 320 Personen die Küsten der Insel. Sie stammen aus Indien, dem Sudan, dem Irak und Tunesien. Die italienische Polizei nahm ein Iraker und ein Inder fest, die die Flüchtlinge angeblich mit Motorbooten von Tunesien nach Lampedusa gebracht haben sollen.

Zahl vervierfacht

Die Zahl der Immigranten, die Lampedusa dieses Jahr erreicht haben, hat sich im Vergleich zum Jahr 2000 vervierfacht. Bereits 7.000 Personen landeten seit Jahresbeginn auf der Mittelmeer-Insel, die 113 Kilometer von den tunesischen Küsten und 205 Kilometer von Sizilien entfernt liegt. Das vom Roten Kreuz verwaltete Aufnahmelager der Insel ist total überfüllt. Seine Kapazität ist für maximal 200 Personen gedacht, es beherbergt derzeit immer mehr als 350 Personen. Die Einwohner der Insel protestieren. Sie bangen um das Image der Insel, die vom Fremdenverkehr lebt.

Rund 2.000 Euro bezahlen die Flüchtlinge aus Marokko, Tunesien, Sierra Leone und anderen afrikanischen Staaten für die Überfahrt. Dafür werden sie von Schleppern in Tunesien auf ein winziges Fischerboot gebracht. Sie können nur hoffen, dass auf der einige Dutzend Kilometer langen Überfahrt nicht hohe Wellen die kleinen Booten zum Kentern bringen.

Die oppositionelle Mitte-Link-Allianz kritisierte die Regierung wegen der zunehmenden Flüchtlingszahl. Die Immigrationspolitik des Kabinetts von Silvio Berlusconi sei trotz eines strengeren Ausländergesetzes gescheitert. Der Flüchtlingsstrom könne nicht gestoppt werden. Italien sei unvorbereitet, den Flüchtlingen die notwendige Unterkunft zu sichern, so Oppositionssprecher auf Sizilien. (APA)

Share if you care.