Immer mehr Migrantinnen flüchten vor österreichischen Ehemännern

17. Oktober 2002, 12:05
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In Spitälern werden weibliche Gewaltopfer zwar erstversorgt dennoch wird wenig über Frauenhäuser informiert

Wien - Immer mehr Migrantinnen flüchten vor gewalttätigen Partnern oder Ehemännern ins Frauenhaus. Im vergangenen Jahr lag ihr Anteil in den hoch gesicherten Schutzeinrichtungen österreichweit bei rund 40 Prozent. Immer mehr Ausländerinnen seien dabei Opfer von österreichischen Gewalttätern, bemerkte die Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, Andrea Brem.

"Die kaufen ihre Frauen in Thailand oder heiraten Bosnierinnen zum Putzen", so Brem. Hiebe, psychischer und - sehr häufig - sexueller Terror bestimmten dann häufig den Alltag der wie Sklavinnen gehaltenen "Katalogfrauen".

Finanzielle Abhängigkeit fördert Gewalt

"Die finanzielle Abhängigkeit fördert Gewalt", bringt Brem das Dilemma vieler gequälter Migrantinnen auf den Punkt. Ringen sich die Frauen zur Scheidung durch, stehen sie meist vor dem ökonomischen Nichts: Ihre Aufenthaltsgenehmigung ist häufig an jene der Männer gekoppelt.

160 Betten in Wien

Die Eröffnung des vierten Wiener Frauenhauses im vergangenen Mai hat die Situation der hiesigen Notunterkünfte erheblich verbessert. "Wir sind voll, aber nicht überfüllt", so Brem. Gegenwärtig befolgt die Stadt eine Richtlinie des Europäischen Parlaments punktgenau: Pro 10.000 Einwohner soll in den Frauenhäusern ein Platz für eine misshandelte Frau bereitgestellt werden. 160 Betten sind es derzeit in Wien.

Linzer Frauenhaus war bereits im Septmber voll ausgelastet

Jüngste Rekordmeldungen wie jene vom Linzer Frauenhaus, in dem bereits im September die Belegungsrate des Jahres 2001 überschritten worden ist, wird es in Wien heuer nicht geben. "Ich hoffe, dass das momentane Angebot ausreicht", wünscht sich Brem für die Zukunft.

Gewaltschutzgesetz

Im vergangenen Jahr zählte man in den Wiener Häusern zwar um 1.000 Aufenthaltstage mehr als im Vorjahr, was aber keinem Anstieg der Gewalt gleichkäme, so Brem. Der Zuwachs ergebe sich aus längeren Aufenthalten oder Frauen, die sich mit mehreren Kindern in den Frauenhäusern niederlassen. Positive Auswirkungen zeigte auch das vor zwei Jahren in Kraft getretene Gewaltschutzgesetz, das die Polizei berechtigt, die Täter für einige Tage aus ihren Wohnungen zu verbannen. Daher würden nur noch zehn Prozent aller aufgenommenen Frauen und Kinder von der Exekutive ins Frauenhaus vermittelt (1998: 17 Prozent).

Krankenhäuser informieren wenig über Möglichkeiten

"Enttäuschend" sei jedoch das Gebaren der Spitäler und Ärzte, so Andrea Brem. Weibliche Gewaltopfer würden zwar erstversorgt, aber nur wenige Mediziner machen ihre Patientinnen auf die Fraueneinrichtungen aufmerksam. "Da besteht noch großer Aufklärungsbedarf", meint die Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser. (APA)

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