Wahlumfragen bedeuten eher wenig

17. Oktober 2002, 10:24
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IGF: Werden von jedem Zweiten nicht wahrgenommen - 61 Prozent deklarierten sich als Stammwähler

Salzburg - Wahlumfragen werden von jedem zweiten Österreicher nicht einmal wahrgenommen. Und auch das Interesse daran ist nicht gerade berauschend: Nur jeder Fünfte interessiert sich dafür sehr oder eher stark, während sich 25 Prozent eher wenig und 18 Prozent überhaupt nicht dafür interessieren. Das ergab eine repräsentative Erhebung des Institutes für Grundlagenforschung (IGF) in Salzburg, das sich die Bedeutung von Wahlumfragen einmal genauer angeschaut hat. Die Umfrage wurde vor dem Platzen der Koalition durchgeführt.

Erstaunlich ist, dass 68 Prozent der Befragten glauben, dass sich Wähler im Wahlverhalten durch Umfrageergebnisse beeinflussen lassen. Für die "eigene" Entscheidung haben Umfrageergebnisse aber nur bei 25 Prozent der Befragten schon einmal eine Rolle gespielt. "Der Einfluss von Wahlumfragen darf nicht überschätzt werden. Der Wähler verfügt schließlich über mehrere Quellen, um sich eine Meinung zu bilden", so IGF-Geschäftsführerin Ernestine Depner-Berger.

Generelles Interesse

Abgefragt hat das IGF auch das Interesse der Österreicher an Politik allgemein. Ein sehr starkes Interesse bekundeten sieben Prozent, weitere 20 Prozent der Befragten gaben starkes Interesse an. 25 Prozent haben eher wenig und zehn Prozent überhaupt kein Interesse an Politik. Auf die Frage, wie häufig sie sich mit Politik beschäftigen, gaben 47 Prozent "eher selten" und weitere 16 Prozent "überhaupt nicht" an.

61 Prozent aller Befragten deklarieren sich mehr oder weniger als "Stammwähler", die (fast) immer der gleichen Partei ihre Stimme geben. Als zumindest gelegentlich "taktische" Wähler stufen sich 32 Prozent ein. Besonders hoch ist der Anteil dieser Wählerschicht bei den deklarierten Grün-Anhängern (42 Prozent) sowie den FPÖ-Anhängern (39 Prozent), bei den ÖVP-Anhängern sind es 28 Prozent und bei den SPÖ-Anhängern 21 Prozent. "Die SPÖ könnte somit mit den meisten Stammwählern rechnen", so Depner-Berger. Auffällig sei, dass die an Politik weniger Interessierten in höherem Ausmaß zu den Wechselwählern zu zählen sind.

Einen wichtigen Faktor stellen laut Depner-Berger die unentschlossenen Wähler dar, deren Anzahl sich besonders kurz vor dem Urnengang erhöht. Umfrageergebnisse hätten gerade unmittelbar vor Wahlen einen nicht unerheblichen Einfluss auf diese Gruppe. "Mehr Augenmerk sollte auf die wachsenden Gruppen der politisch weniger Interessierten und die Wechselwähler gerichtet werden. Diese beiden Faktoren stehen in Zusammenhang und führen zu verminderter Parteienidentifikation und zunehmender Unberechenbarkeit im Wahlverhalten", so die IGF-Geschäftsführerin. (APA)

Details zur Umfrage

Grundgesamtheit: Österreichische Wohnbevölkerung ab 18 Jahren
Befragungszeitraum: 14. August bis 12. September 2002
Auswahlverfahren: Quota-Verfahren nach Daten der Statistik Austria
Anzahl befragte Personen: n = 1002 - face-to-face-Interviews
Schwankungsbereich: maximal plus/minus 3,2 Prozent

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