Warum Blondinen bald aussterben...

18. Oktober 2002, 11:14
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Die Tücken des Online-Journalismus – Enten und Hoaxes haben dank schnellster Informationsverbreitung Hochkonjunktur

Der Onlinedienst Online Journalism Review berichtet in dem Aufsatz "Journalistic Mistakes Made, Internet Not to Blame" über die Tücken des Online Journalismus. Vor allem wird darin auf die für den Online-Journalismus fast schon typischen Enten und Hoaxes eingegangen.

Warum Blondinen bald aussterben...

Fast schon ein Klassiker unter den Falschmeldungen ist der Blondinen Hoax. Vor zwei Jahren berichtete cyberplexafrica.com und Space News, dass blonde Menschen wegen eines rezessiven Gens in 200 Jahren ausgestorben sein werden.

Ente

Etwa zwei Jahre später, wir schreiben Oktober 2002, zieht diese Meldungen wieder ihre Runden in der Welt des Online-Journalismus. BBC News titelte mit der Schlagzeile "Blondes to die out in 200 years", aber auch ABC, NBC, CBS ("The decline and fall of the blonde is most likely being caused by bottle blondes, who researchers believe are more attractive to men then true blondes"), CNN ("According to the World Health Organization, blondes, natural ones, may be extinct within the next 200 years"), die New York Post ("Study is a blonde bombshell") und auch noch andere prominente Informationsdienste zogen nach.

Wie konnte es soweit kommen

Schulzuschiebungen sind zwar schnell bei der Hand, aber das Internet kann ja wohl nichts dafür. Es informierte sich nämlich ganz einfach keiner der Journalisten bei der WHO, die zitierte Blondinen Studie existierte nämlich überhaupt nicht, es handelte sich nur um ein drei Jahre zurückliegendes Allegra-Interview.

E-Mails und Abschreiben

Ähnlich turbulent ist die Geschichte um eine Story über den Heeresminister Thomas White. Bei Salon.com wurde nach kurzer Zeit ein Artikel über ihn zurückgezogen , da er fast wörtlich sieben Monate vorher in der Financial Times zu finden war. Dann wurde der Artikel wegen eines falschen Zitats nachträglich korrigiert und schließlich ganz aus dem Netz genommen, da das besagte E-Mail plötzlich gar nicht mehr existierte.

Mittlerweile war aber auch schon die New York Times auf die Story aufmerksam geworden und berichtete ebenfalls über das vermeintlich e Mail. Schließlich musste dann auch diese Geschichte zurückgenommen werden: "Web article is removed; flaws cited."

The Big Ass Spanish Boat

Aber wenn schon die vermeintlichen alten Hasen des Journalimus den Tücken der schnellen Informationsverbreitung aufsitzen, kann das natürlich einem Ferialpraktikanten auch passieren. Eine Journalistikstudentin sollte für die Zeitung der Washington State University The Daily Evergreen einen Artikel über den Oktober als "Filipino-American History Month" schreiben. Sie informierte sich auf der Website Pinoylife und übernahm dann folgende Informationen:
"On Oct. 18, 1857, the first Filipinos landed on the shores of Morro Bay, California, on a Spanish galleon called the Nuestra Señora de Buena Esperanza, which translates to The Big Ass Spanish Boat."

Die Vorgesetzten der Studentin waren über das "Big Ass Spanish Boat" natürlich nicht sehr erfreut, fanden dann aber doch auch, dass jeder aus diesem Fauxpas etwas lernen könne.

Fazit

Was kann man also als InternetuserInn aus der Geschichte lernen? Der OJR Kolumnist Mark Glaser bringt es auf den Punkt: "Relax, folks. Nobody's perfect, we all make mistakes…" (red)

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