Rothaarige haben größere Schmerzen

16. Oktober 2002, 21:09
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Und brauchen zwanzig Prozent mehr Betäubung - US-Forscher erwarten sich Aufschlüsse über Wirkungsweise von Betäubungsmitteln

Washington/Wien - Rothaarige Menschen sind offenbar wesentlich schmerzempfindlicher als Blonde, Braun-oder Schwarzhaarige. Immerhin, so ergab eine neue US-Studie, würden Rothaarige zur Behandlung derselben Schmerzen um bis zu zwanzig Prozent mehr Betäubungsmittel brauchen, als Personen mit anderer Haarfarbe, berichtete der US-Schmerzforscher Edwin Liem Dienstagabend bei einer Tagung der Amerikanischen Anästhesisten-Vereinigung in Orlando, Florida.

"Das glaube ich sofort", kommentierte Mittwoch die Schmerzexpertin Anna Spacek von der Wiener Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin gegenüber dem STANDARD die jüngsten Erkenntnisse. "Rothaarige sind in vielerlei Hinsicht benachteiligt, sie sind auch wesentlich lichtempfindlicher als Menschen mit anderer Haarfarbe." Einen Nachteil für die Narkose bei Operationen sieht Spacek jedoch nicht, Angst brauche deswegen niemand zu haben.

Narkose individuell abgestimmt

"Jede Narkose wird individuell auf die Bedürfnisse des betreffenden Patienten abgestimmt", durch ein permanentes Monitoring während der Operation - durch Überwachung von Blutdruck, Herzfrequenz, Muskelreaktionen und anderer Parameter - würden die Betäubten immer genau so viel Mittel bekommen, wie sie benötigten, um nichts zu spüren. Dennoch seien die Erkenntnisse wichtig, besonders für die Schmerzbehandlung nach Operationen.

Hier werde man sich etwa bei der Dosierung von Opiaten einiges überlegen müssen. Diesbezüglich habe bereits vor einiger Zeit ein Umdenken begonnen. So hätten Studien ergeben, dass Frauen nach Operationen mehr Schmerzen untertags verspüren, Männer hingegen mehr am Abend. Frauen empfänden den Schmerz auch intensiver als Männer, diese jedoch fühlten sich durch den Schmerz stärker beeinträchtigt. Das Resultat: "Ein Versuch hat gezeigt, dass Männer, wenn sie sich Opiate über eine Schmerzmittelpumpe selbst verabreichen können, wesentlich mehr verbrauchen als Frauen", erklärt Spacek.

Weitere Forschungen

Die US-Wissenschafter erhoffen sich von der Erkenntnis über die höhere Schmerzempfindlichkeit von Rothaarigen aber auch neue Aufschlüsse über die Wirkungsweise von Betäubungsmitteln. Da bekannt sei, dass Rothaarigkeit auf Abweichungen in einem vom Zentralnervensystem aus gesteuerten Hormonhaushalt (auch mitverantwortlich für Hautpigmentierung und Gewichtszunahme) zurückzuführen sei, könne das Zentralnervensystem und seine Rolle bei der Betäubung genauer erforscht werden. Dabei gehe es etwa um die Frage, welche Hirnbereiche Bewusstlosigkeit auslösten. (Reuters, fei/DER STANDARD; Printausgabe, 17.10.2002)

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    Hat viel vertragen, diese kleine Rothaarige hier.

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