Kostunica fordert Festellung der genauen Wählerzahl

16. Oktober 2002, 20:30
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Erneute Präsidentschaftskandidatur nicht ausgeschlossen

Belgrad - Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica hat die offizielle Wahlkommission Serbiens aufgefordert, die genaue Zahl der Wahlberechtigten zu eruieren. Damit soll festgestellt werden, ob die Stichwahl vom vergangenen Sonntag doch gültig war. Nach Angaben der Wahlkommission hatte sich die Beteiligung auf 45,5 Prozent belaufen. Laut Gesetz hätte aber die 50-Prozent-Marke überschritten werden müssen.

In der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) von Kostunica ist man jedoch überzeugt, dass die Beteiligung vom vergangenen Sonntag den Erfordernissen entsprach. Nach Meinung von DSS-Statistikern scheinen in den Verzeichnissen nämlich etliche "Phantomwähler" oder "Karteileichen" auf. Ihre Zahl wird in der Partei von Kostunica auf etwa 620.000 geschätzt, was fast zehn Prozent des Wahlkörpers ausmacht.

Die Wahlkommission soll am Donnerstag über den Einspruch der Partei von Kostunica entscheiden. Nach Ansicht von Experten des Belgrader Zentrums für freie Wahlen und Demokratie (CeSID) ist es jedoch kaum möglich, die Wählerlisten in relativ kurzer Zeit in Ordnung zu bringen. Es wird auch daraufhin gewiesen, dass sich auch der jugoslawische Präsident bei der Präsentation seiner Präsidentschaftskandidatur des Problems voll bewusst sein musste.

Die Verzeichnisse stammen noch aus der Ära von Slobodan Milosevic. Sie boten ihm während seiner Zeit als serbischer und später jugoslawischer Präsident Möglichkeiten zu Manipulationen. Kostunica machte am Mittwoch sowohl den serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic als auch den Ultranationalistenführer Vojislav Seselj für das Scheitern der Stichwahl verantwortlich. Eine erneute Kandidatur hat er allerdings nicht ausgeschlossen. (APA)

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