Sperrstunde nur für Afrikaner

16. Oktober 2002, 20:59
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Fälle von Diskriminierungen in Grazer Lokalen häufen sich

Graz - "Es is' schon Sperrstund'", wurde drei in Graz lebenden Afrikanern beim Versuch um 22.30 Uhr das vollbesetzte Innenstadtcafé "Domizil" zu betreten, entgegen geschmettert. Fünf Minuten später konnten österreichische Freunde der drei ungehindert eintreten und Getränke bestellen. Da trat Herr K. aus Kamerun nochmals ein und setzte sich zu seinen österreichischen Freunden. Als er die Kellnerin fragte, warum er nun herein dürfe, meinte diese: "Jetzt ist wieder offen."

Solche Fälle von Diskriminierungen sind in der kommenden Kulturhauptstadt Europas keine Seltenheit. Im Gegenteil, erzählen Herr K. und seine österreichischen Freunde Bettina und Gerald, die vor wenigen Tagen einen Abend lang durch verschiedene gut besuchte Nachtlokale der Innenstadt zogen. Das Café Domizil ist dabei längst kein unbeschriebenes Blatt mehr, denn bereits Anfang des Jahres gab es dort einen ähnlichen Fall (DER STANDARD berichtete).

"Meist sind es Lokale mit Türstehern", erzählt Bettina. Diese redeten sich gerne auf den Chef aus, der "keine Schwarzen" wolle oder fragten nach ominösen Clubkarten, die von Österreichern keineswegs verlangt werden. So auch im "Latinos", wo der Türsteher des stark frequentierten Lokals die drei Männer aus Afrika ebenfalls nicht eintreten ließ. Nachdem er die Clubkarten verlangte, meldeten sich unbeteiligte österreichische Gäste zu Wort und gaben an, selbst auch keine derartigen Karten zu besitzen. Bettina war überrascht: "Da haben sogar fremde Leute das Lokal verlassen, weil die drei nicht reingelassen wurden." Der Türsteher blieb aber unbeeindruckt und gab nach längerer Diskussion zu, dass die Hautfarbe der Männer der Grund für sein Verhalten sei.

Rein rechtlich gesehen ist das ein klarer Fall, denn wer "Personen allein aufgrund ihrer Rasse, ihrer Hautfarbe, ihrer nationalen oder ethnischen Herkunft, ihres religiösen bekenntnisses oder einer Behinderung ungerechtfertigt benachteiligt oder sie hindert, Orte zu betreten oder Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, die für den allgemeinen öffentlichen Gebrauch bestimmt sind", darf laut Verwaltungsverfahrensgesetz mit einer Geldstrafe von bis zu 1090 Euro rechnen. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 17.10.2002)

Kostenlose juristische Beratung bei Diskriminierungen bietet der Grazer Verein "Helping Hands" unter der Telefonnummer 0699/11338402
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