Regierungspartei gewinnt Wahlen in Jamaika

17. Oktober 2002, 07:00
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Führung in 35 von 60 Wahlkreisen - Oppositionführer gesteht Niederlage ein - Sieben Menschen am Wahltag getötet

Kingston - Die regierende Nationale Volkspartei (PNP) hat die Parlamentswahlen in Jamaika klar gewonnen. Wie das jamaikanische Fernsehen am Mittwochabend (Ortszeit) berichtete, holte die Partei von Premierminister Percival J. Patterson mindestens 35 der 60 Wahlkreise. Die oppositionelle Labour-Partei (JLP) des früheren Premierministers Edward Seaga hatte am Abend nur 22 Wahlkreise sicher. In drei Wahlkreisen dauerte die Auszählung noch an. Seaga räumte am Abend seine Niederlage ein.

Der 67-jährige frühere Rechtsanwalt Patterson steht mit dem Wahlsieg vor seiner vierten Amtszeit. Seit 1992 im Amt, ist Patterson schon jetzt einer der am längsten regierenden Politiker des amerikanischen Kontinentes. In der Öffentlichkeit häufig als farblos kritisiert, konnte Patterson von einigen Erfolgen seiner Regierung, wie dem Ausbau des Handy- und Straßennetzes, sowie vom schlechten Image seines Gegenspielers Seaga profitieren. Seaga, der von 1980 bis 1989 Premierminister war, werden enge Verbindungen zur Unterwelt Kingstons nachgesagt. Umfragen zufolge hätte die JLP mit einem anderen Spitzenkandidaten besser abgeschnitten. Seaga versuchte im Wahlkampf vor allem aus der Unzufriedenheit der Bürger über Arbeitslosigkeit und Kriminalität Kapital zu schlagen.

Herausforderung Kriminalität

Größte Herausforderung für den alten und neuen Premierminister ist die hohe Kriminalität im Großraum Kingston. Fast jeden Tag kommen in Jamaika Menschen gewaltsam ums Leben, in diesem Jahr waren es bis Mittwoch nach einer Zählung der Zeitung "The Gleaner" 780. Jamaika hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Das hohe Gewaltniveau hat zusammen mit den Auswirkungen des 11. September und der weltweiten Rezession zu einem Rückgang der Touristenzahlen um fast zwölf Prozent im ersten Halbjahr 2002 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum geführt.

Am Vormittag des Wahltages wurden Fernsehberichten zufolge an drei verschiedenen Stellen Kingstons insgesamt sieben Menschen erschossen. Nach Einschätzung der Polizei handelte es sich um Opfer von Bandenkriegen und nicht von politischen Auseinandersetzungen. Vor einem Wahllokal gab es ein Feuergefecht, ohne dass jemand verletzt wurde. Ansonsten verliefen die Wahlen weitgehend störungsfrei. Die Wahlbehörde hatte mehr fast 20.000 Wahlhelfer geschult, um einen sauberen Ablauf zu garantieren. Unter den Wahlbeobachtern befand sich auch der Friedensnobelpreisträger dieses Jahres, der frühere US-Präsident Jimmy Carter. (APA/dpa)

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    Von Gewalt überschattet waren auch die diesjährigen Wahlen in Jamaika

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