Umweltstadträtin will Öl statt Biomasse

16. Oktober 2002, 19:53
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Stadt Wien fördert Pellets-Anlagen - Kossina ist dagegen

Wien - "In der Stadt ist mir eine gut funktionierende Ölheizung zehnmal lieber als eine Holz-Pellets-Heizung", bekannte Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP) am Mittwoch. Kleinanlagen mit Biomasse seien für sie "im dichtverbauten Gebiet sicher keine Alternative zu Ölheizungen. Weil: Bei diesen Anlagen gibt es keine Filter, und da werden viel mehr Staub und Stickstoffe freigesetzt", so Kossina.

Daher erklärte die Umweltstadträtin ausgerechnet anlässlich der Zwischenbilanz zum Wiener Klimaschutzprogramm (KliP), sie wolle ein "intensives Austauschprogramm" ins Leben rufen, bei der alte Ölheizungen durch Fernwärme-, Gas-, aber auch durch neue Ölheizungen ersetzt werden. Sie wolle "gemeinsam mit der Gaswirtschaft, der Fernwärme und der Ölwirtschaft Lösungen suchen - das schafft Arbeitsplätze und spart Geld".

Im Klimaschutzprogramm der Stadt Wien steht allerdings genau das Gegenteil: nämlich dass Ölheizungen möglichst durch Fernwärme-, Gas- - oder eben mit nachhaltigen Rohstoffen beheizte An- lagen - substituiert werden. "Da stellt sich schon die Frage, auf welcher Basis die Umweltstadträtin das tut", wunderte sich die Wiener Klimaschutzbeauftragte Christine Fohler-Norek auf Anfrage des STANDARD. "Das Klimaschutzprogramm wurde vom Gemeinderat als Auftrag an die Stadtregierung beschlossen."

Biomasse-Kleinanlagen

Dazu kommt, dass nach rot-grünen Verhandlungen seit September genau jene Anlagen von der Stadt gefördert werden, gegen die Kossina nun auftritt: nämlich Biomasse-Kleinanlagen. Wobei die Kommune 21 bis 35 Prozent der Investition zuschießt und die Gesamtkosten 11.000 Euro nicht überschreiten dürfen. Und: Je weniger Emissionen die Anlage produziert, desto besser wird sie gefördert.

Was im Rahmen des KliP tatsächlich neu umgesetzt wird, wurde am Mittwoch von der Leiterin der Umweltschutzabteilung, Karin Büchl-Krammerstätter, präsentiert: Beim "ÖkoBusinessPlan" bietet die MA 22 nun auch Kleinfirmen bis zu 20 Mitarbeitern ein spezielles Umweltprogramm an: "Dabei helfen wir zum Beispiel, dass Energieverbrauch und Lieferkilometer reduziert werden können."

Weiters ist es das Ziel Büchl-Krammerstätters, dass bis 2005 die ganze Stadtverwaltung in das Projekt Umweltmanagementsysteme in Amtsgebäuden (PUMA) integriert wird. Also neben Amtshäusern auch alle Schulen, Kindertagesheime, Bäder und Spitäler. Und im Programm Solar Net II soll bis 2010 in einer Kooperation zwischen Wien und Ungarn der Warmwasserbedarf von insgesamt 40.000 Wohnungen über Sonnenergie abgedeckt werden. (Roman Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 17.10.2002)

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