Kaprunprozess: Angriffe gegen Anklagebehörde

16. Oktober 2002, 19:33
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Hetige Angriffe von Strafverteidigern gegen einen leitenden Staatsanwalt ...

Salzburg - Derart heftige Angriffe von Strafverteidigern gegen einen leitenden Staatsanwalt sind eine Seltenheit. Beim Strafverfahren um die Brandkatastrophe von Kaprun jedoch war es so weit.

Alle Anwälte der insgesamt 16 Beschuldigten erinnerten den leitenden Salzburger Staatsanwalt Friedrich Ginthör in einer gemeinsamen Resolution daran, dass laut Strafprozessordnung für einen Staatsanwalt das "Objektivitätsgebot" gelte und dieser auch der "Unschuldsvermutung" gegenüber den Angeklagten verpflichtet sei.

Anlass für die frontale Attacke gegen Ginthör waren mediale Äußerungen des Staatsanwaltes. Dieser habe Abberufungsanträge der Verteidiger gegen den umstrittenen Brandsachverständigen Anton Muhr mit "absurd" und "ein Witz" qualifiziert, so die Advokaten. Ginthör solle sich in Hinkunft solchen "in ihrem Ton" nicht akzeptablen und "inhaltlich unrichtigen" Wortspenden enthalten.

Ob Muhr weiter Brandsachverständiger beim Prozess um die größte Brandkatastrophe der Zweiten Republik bleibt, will Richter Manfred Seiss am Montag entscheiden. Die Verteidiger verlangen Muhrs Abberufung, unter anderem weil er mit Beweisstücken nicht sorgsam genug umgegangen sei. Der Sachverständige selbst hat indes eingeräumt, dass neben seiner Theorie vom brandauslösenden Heizlüfter auch andere Brandauslöser - etwa ein Kabelbrand oder eine defekte Lampe - denkbar seien. (neu, DER STANDARD Printausgabe 17.10.2002)

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