Multipack statt Huckepack

16. Oktober 2002, 18:24
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FH Graz entwickelte Niederflur-Waggon, der Trailer und LKW-Container befördert

Graz - Mitarbeiter und Studierende des Fachhochschul-Studiengangs "Schienenfahrzeugtechnik" des FH Joanneum Graz haben einen Niederflur-Waggon entwickelt, der sowohl LKW-Container als auch Trailer (Sattelanhänger) befördert. Der Niederflur-Waggon "Multipack" könnte den Containertransport auf Schienen wesentlich flexibler machen. Im Güterverkehr käme das multifunktionale Waggonsystem um drei Prozent günstiger als der Transport auf der Straße, so die FH Joanneum in einer Aussendung.

"Der wesentliche Vorteil von Multipack gegenüber der rollenden Landstraße ist, dass man das Waggonsystem universell einsetzen könnte", erklärte Hannes Pichler, der neben Elke Nuspl das Projekt koordinierte. Anders als bei der "rollenden Landstraße" könnten bei "Multipack" auch die Zugmaschinen samt ihren Fahrern zu Hause bleiben. Auf Seiten der Bahnbetreiber würden zeit- und personalaufwändige Rangierarbeiten wegfallen. Dies daher, da bei Multipack keine Rücksicht darauf genommen werden muss, welche Transportbehälter in welcher Reihenfolge geladen werden. Die Güter können sowohl im LKW-Container als auch im Sattelanhänger von der Straße direkt auf die Schiene verfrachtet werden, heißt es weiter.

Zwischen 39 und 63 Container auf einmal

Zuzüglich zur technischen Konstruktion wurde vom Verkehrsministerium und vom Cargo Center Graz eine Marktstudie für die Realisierung des kombinierten Verkehrs mit Multipack in Auftrag gegeben. Darin berechneten die FH-Mitarbeiter exemplarisch einen Modellverkehr Graz-Nürnberg und retour auf Straße und Schiene. Die Ergebnisse: Ein mit den Niederflurwaggons bestückter Zug kann zwischen 39 und 63 Container auf einmal transportieren, die Modellstrecke Graz-Nürnberg würde er in zwölfeinhalb Stunden zurücklegen. Sobald Road-Pricing eingeführt wird, kommt der Güterverkehr per Bahn im Vergleich zur Straße inklusive Vor- und Nachlauf um drei Prozent billiger.

Laut Marktstudie sind aber nicht nur finanzielle Kriterien, sondern auch Service, Sicherheit und Zuverlässigkeit ausschlaggebende Faktoren bei der Wahl des Transportsystems. Außerdem seien die europäischen Güterterminals unterschiedlichst ausgerichtet. Nicht alle hätten die gleichen technisch-logistischen Standards. "Grundsätzlich ist für einen erfolgreichen Betrieb eines Terminals auf spezielle Kundenwünsche und auf die Art der Güter zu achten", erkärte Nuspl. Nur jene Cargo-Betreiber, die Service tatsächlich großschreiben, würden künftig punkten können. (pte)

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