Ruf nach Werbeverbot für ARD und ZDF

16. Oktober 2002, 21:26
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Stoiber: Vorbild BBC - ARD: Mischfinanzierung hat sich bewährt - Zeitungskrise weiterer Schwerpunkt des Branchentreffs

Die Diskussion um die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF hat am Mittwoch den Auftakt der Münchner Medientage bestimmt. Angesichts dramatischer Einbrüche bei der Fernsehwerbung wird der Ruf nach einem Werbeverbot lauter. Während ARD und ZDF auch in der Krise im "Gebührenhimmel" säßen, seien bei den Privatsendern Arbeitsplätze in Gefahr, sagte Jürgen Doetz, Präsident des privaten Rundfunkverbandes (VPRT) am Mittwoch zum Auftakt der Münchner Medientage. Auch Bayerns oberster Medienwächter Wolf-Dieter Ring und Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderten weniger Werbung bei den Öffentlich-Rechtlichen. Diese wollen aber auf die Einnahmen nicht verzichten.

Schrittweise "werbefrei"

Der Ministerpräsident kündigte politische Initiativen an, um die öffentlich-rechtlichen Sender schrittweise "werbefreier" zu machen. Stoiber nannte das englische Fernsehsystem um die britische BBC als Vorbild, in dem Fernsehwerbung allein den Privatsendern vorbehalten sei. Eine reine Gebührenfinanzierung für ARD und ZDF "wäre die sauberste Lösung", sagte der CSU-Chef, "das kann auch in Schritten gemacht werden". Das in bestehende duale Fernsehsystem vertrage auf keinen Fall eine weitere Ausweitung von Werbezeiten und Sponsoring der öffentlich-rechtlichen Sender. Zugleich forderte Stoiber, bestehende Werbebeschränkungen für die Privatsender abzubauen.

"Das duale System kann gefährdet werden"

Angesichts von Wirtschaftsflaute und Konsumzurückhaltung sparen die Unternehmen immer stärker an ihren Werbeausgaben. Im ersten Halbjahr schrumpfte der deutsche TV-Werbemarkt nochmals um 7,2 Prozent. "Das Duale System kann gefährdet werden, wenn die Werbeeinnahmen so massiv runter gehen", sagte Stoiber. Bei privaten Sendern könne das an die Existenz gehen.

ARD und ZDF wiesen die Forderungen erwartungsgemäß zurück. Die Mischfinanzierung habe sich bewährt und müsse erhalten bleiben, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Pleitgen.

Klassische Medien im Mittelpunkt

Bei den Münchner Medientage stehen in diesem Jahr stärker als früher die klassischen Medien im Mittelpunkt. Insbesondere die Krise der Zeitungs- und Zeitschriftenverlage nach dem Einbruch des Werbemarkts nimmt breiten Raum bei den über 80 Diskussionsforen ein, an denen insgesamt 540 Referenten aus der Medienbranche teilnehmen.

Der Präsident des deutschen Zeitschriftenverleger-Verbandes, Hubert Burda, sagte, die Krise habe auch strukturelle Gründe. So würden bedingt durch die wachsende Bedeutung des Internets auch nach einer wirtschaftlichen Erholung etwa die Umfänge der Stellenanzeigen in überregionalen Zeitungen voraussichtlich nie wieder ihre Rekordumfänge der vergangenen Jahre erreichen können. (APA/AP/dpa)

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    Leider-nicht-Kanzler Edmund Stoiber regt an, über werbefreie öffentlich-rechtliche Programme nachzudenken.

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