Eine Frau für alle Fälle

17. Oktober 2002, 08:54
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Ehemalige Staatssekretärin Brigitte Zypries ist deutsche Justizministerin

Berlin - Ob Computervernetzung, Förderung von Leistungssport oder schnelle Hochwasserhilfe - die neue deutsche Justizministerin Brigitte Zypries gilt als kompetent.

Die 48-jährige Juristin ist eine langjährige Vertraute von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Mit ihm ging die Sozialdemokratin 1998 von Niedersachsen nach Berlin. Dort war sie in den vergangenen vier Jahren beamtete Staatssekretärin im Innenministerium.

Biografisches

Zypries wurde 1953 in Kassel geboren und studierte Rechtswissenschaft in Gießen. Dort arbeitete sie zunächst fünf Jahre lang als wissenschaftliche Mitarbeiterin, bevor sie Referentin in der Hessischen Staatskanzlei und anschließend am Bundesverfassungsgericht wurde. 1991 ging Zypries, die nicht verheiratet ist und keine Kinder hat, nach Niedersachsen. Dort machte sie der damalige Ministerpräsident Schröder erst zur Referats-, dann zur Abteilungsleiterin in der Staatskanzlei. Von 1997 bis 1998 war sie in Hannover Staatssekretärin im Ministerium für Frauen, Arbeit und Soziales.

Karriereschritte

Als Schröder 1998 nach Berlin ging, nahm er Zypries mit. Als Innenstaatsekretärin war sie vor allem für die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung zuständig. So kümmerte sich Zypries um die "Initiative D21", die im Sommer 1999 von führenden deutschen Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnik und der Bundesregierung gegründet wurde, um Deutschland in den Zukunftsbranchen der Informationstechnologien eine Spitzenstellung in Europa zu sichern. Zypries ist auch für den Sport zuständig, sie setzte sich unter anderem für die Akzeptanz behinderter SpitzensportlerInnen ein.

Hochwasserhilfe

Als die Flut im August über Ostdeutschland hereinbrach, machte Schröder Zypries zur Chefin des Krisenstabs. Sie leitete die Task-Force für die Hochwasserhilfe. Zypries handelt gerne pragmatisch statt bürokratisch - schnelle Hilfen wie das "12-Punkte-Programm" der deutschen Regierung sind ihr lieber als umständliche Zahlenkolonnen. Gleichzeitig möchte sie nicht den Kontakt zu den Betroffenen verlieren. In ihrem Umfeld gilt das "Schröder-Gewächs" als "harte Verhandlungspartnerin", die selbstbewusst auftritt, sich aber nicht in den Vordergrund drängt.

Zypries wird immer dann eingesetzt, wenn es brennt. Vor dem Hochwasser leitete sie bereits die Task Force im Innenministerium, die eine befürchteten Computerkollaps wegen des Jahr-2000-Problems verhindern sollte. Monatelang suchten sie und ihre MitarbeiterInnen nach Schwachstellen bei Behörden und Wirtschaft. In der Neujahrsnacht ließ es sich die Staatssekretärin nicht nehmen, mit einer Matratze im Lagezentrum des Innenministerium auszuharren, um mögliche Katastrophen schnell in den Griff zu bekommen. (APA)

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