Menschenrechts- delegierte in Srebrenica fordern "Ende der Apartheid"

16. Oktober 2002, 22:06
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Internationale Rückkehrpolitik sei "völlig gescheitert"

Srebrenica/Wien - In einem offenen Brief an alle Regierungschefs der Europäischen Union, der Schweiz und der EU-Beitrittskandidaten forderen die Delegierten der Gesellschaft für bedrohte Völker International (GfbV) am Mittwoch das "Ende der Apartheitpolitik" in Bosnien-Herzegowina, vor allem in der nordostbosnischen Stadt Srebrenica. Die Aussendung wurde zum Anlass der Jahresversammlung der GfbV ausgegeben, die heuer in Srebrenica stattfand.

Die Aussendung schildert die Zustände in der "toten Stadt" Srebrenica, in die sich bis heute die Überlebenden des Bosnienkrieges von 1992-1995 kaum zurückkehren trauten. Die Menschen lebten "in täglicher Angst vor den Drohungen und Schikanen der Behörden und Polizei des serbisch-bosnischen Teilstaates Republika Srpska", zu der die Stadt gehört. Die internationalen Truppen würden den Bewohnern bloß völlig unzureichenden Schutz gewähren.

"Gescheiterte Rückkehrpolitik"

Die GfbV bezeichnet die Rückkehrpolitik der internationalen Gemeinschaft in Bosnien-Herzegowina als "völlig gescheitert", da sie den Rückkehrern "weder Sicherheit noch spürbare ökonomische Hilfe gewährt" habe. Die Überlebenden von Srebrenica hätten keine wirkliche Chance auf Rückkehr in die serbische Teilrepublik. Außerdem sei die Teilrepublik gerade auf dem Gebiet errichtet worden, in dem der Genozid an den bosnischen Moslems stattgefunden habe.

Die Gesellschaft fordert nach dem Beispiel der nordbosnischen Stadt Brcko die Schaffung eines "Autonomen Distrikts Srebrenica", der der Zentralregierung Bosnien-Herzegowinas und nicht der Republika Srpska unterstellt wäre. Ein internationales Wiederaufbau- und Wirtschaftsprogramm für den Distrikt solle ebenfalls initiiert werden. Dieser solle sowohl moslemischen als auch serbischen Bosniern zu Gute kommen.

Die GfbV plädiert im Zusammenhang damit für ein Ende der "Apartheidpolitik" in ganz Bosnien-Herzegowina. In der Aussendung heißt es: "Niemand von uns kann verstehen, dass europäische Politik toleriert und ständig aktiv dazu beiträgt, dass in Bosnien-Herzegowina durch Gewalt ethnische Käfige aufrechterhalten werden, während in allen europäischen Ländern Menschen verschiedener Nationalität und Konfession zusammenleben." (APA)

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