"Einen sonderbaren Traum träumt' ich..."

20. Oktober 2002, 21:01
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Oskar-Werner-Schwerpunkt: Devotionalien im Theatermuseum, Retrospektive im Filmarchiv

Wien - "Mit dem Theater bin ich verheiratet, der Film ist meine Geliebte", pflegte Oskar Werner (1922 - 1984) immer zu sagen, wenn er nach seiner Vorliebe gefragt wurde. Das Österreichische Theatermuseum widmet ihm nun unter dem Ttiel "Welch einen sonderbaren Traum träumt' ich..." von 17. Oktober bis 6. Jänner eine Ausstellung, die anhand Fotos, Briefen, Tonaufnahmen und einer Film-Retrospektive im Metro-Kino einen chronologischen Bogen seines Lebens spannt.

"Wir sind sehr stolz, dass ein Großteil der gezeigten Exponate aus unserem Besitz stammt", sagte der Direktor des Theatermuseums Thomas Trabitsch auf der Pressekonferenz am Mittwoch. In Erinnerung an den großen Oskar Werner "haben wir uns erlaubt, auf sein unrühmliches Ende nicht zu sehr einzugehen. Auf das Niveau der damaligen Berichterstattung wollen wir uns nicht herab lassen", meinte Trabitsch weiters. Oskar Werner war 1984 nach künstlerischen Desastern und gezeichnet von seiner Alkoholsucht auf einer Lesetournee in Marburg gestorben.

Sinnliches

"Sie müssen mit einem neuen Sehen durch die Ausstellung gehen", forderte die Kuratorin Ulrike Dembski zum Rundgang auf, der sich in drei Bereiche gliedert. Der des "Hörens" befindet sich im Mezzanin des Palais Lobkowitz. An sechs verschiedenen Plätzen kann man die Stimme Oskar Werners hören, Gedichte rezitierend oder Theater spielend. Zudem kann man hier drei Originalkostüme, die der Schauspieler trug, bestaunen. In diesem Raum sind auch Theaterzettel und Briefe Oskar Werners zu sehen, so wie Ausschnitte aus Filmen.

In der Eingangshalle gibt es ein kleines "Cafehaus", wo man im zur Ausstellung erschienenen Katalog und in einer "Zeitung" schmökern kann, die aus einer Zusammenstellung zahlreicher Pressestimmen über Oskar Werner von 1955 bis 1984 besteht. In den Ausstellungsräumen im Erdgeschoss wird anhand von Fotos Oskar Werner als Schauspieler am Theater und im Film gezeigt.

In Zusammenhang mit der Ausstellung veranstaltet das Filmarchiv Austria eine "Filmschau Oskar Werner" von 8. 11. bis 3. Dezember im Wiener Metro Kino. Dabei sind von den insgesamt 22 Filmen, in denen er Künstler mitgewirkt hatte, 20 zu sehen, darunter "Jules et Jim" in der selten gezeigten Originalfassung, "The Angel with the Trumpet", das Remake von "Der Engel mit der Posaune" als österreichische Erstaufführung.

Biografisches

Oskar Werner wurde 1922 als Oskar Bschließmayer 1922 in Wien-Gumpendorf geboren. Schon mit 19 kam er ans Burgtheater. Der große Durchbruch gelang ihm 1955 als "Don Carlos". Weiter Höhepunkte waren seine Auftritte als "Torquato Tasso", "Hamlet" oder als Thomas Beckett in der Leopold Lindtberg-Inszenierung von Jean Anouilhs "Beckett oder die Ehre Gottes".

Neben dem Theater begann Werner auch eine Film-Karriere. Seine erste große Rolle hatte er an der Seite von Paula Wessely, Attila Hörbiger und Maria Schell in dem Karl Hartl-Film "Der Engel mit der Posaune" (1948), durch dessen englische Fassung der internationale Film auf den österreichischen Schauspieler mit der unvergleichlichen Stimme aufmerksam wurde. Kultstatus bis heute haben "Fahrenheit 451" von Francois Truffaut oder "das Narrenschiff" von Stanley Cramer. Depressionen und Alkoholprobleme kennzeichneten seine letzten Jahre. 1983 erlitt Werner ein künstlerisches Debakel mit dem Wachauer- Festival. Während einer Lese-Tour starb Werner am 23. Oktober 1984 in Marburg an einem Herzversagen. (APA)

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    Aus Anlaß des 75. Geburtstages von Oskar Werner hatte die Post 1997 eine Sonderpostmarke aufgelegt

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