Europäische Umweltagentur zieht Ozonbilanz

16. Oktober 2002, 13:35
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Überschreitungen des Schwellenwertes etwas höher als 2001, durchschnittliche Überschreitungsdauer ist gesunken

Kopenhagen - Die Werte des potenziell schädlichen bodennahen Ozons überstiegen in diesem Sommer an mehr als drei von vier Tagen irgendwo in Europa einen kritischen Schwellenwert. Dies geht aus einem von der Europäischen Umweltagentur (EUA) in Kopenhagen zusammengestellten vorläufigen Bericht hervor. Gemäß einer Richtlinie der Europäischen Union müssen die Regierungen die Öffentlichkeit unterrichten, wenn Überwachungsstationen Ozonkonzentrationen oberhalb eines kritischen Schwellenwertes feststellen, der mit 180 Mikrogramm Ozon je Kubikmeter Luft als Mittelwert während einer Stunde angegeben ist.

Nach einer ersten Evaluierung wurde dieser Schwellenwert laut EUA von April bis August 2002 in elf der 15 EU-Mitgliedsländern und in sechs von zwölf weiteren europäischen Staaten, die Daten bereitstellten, überschritten - am häufigsten in den Monaten Juni und Juli. Der Schwellenwert für die Information der Bevölkerung wurde in Frankreich, Griechenland, Italien und Spanien in allen fünf überwachten Monaten überschritten. Die Gesamtüberschreitungen waren in Südfrankreich, in der italienischen Poebene und in Mittelitalien am höchsten. In Österreich, Deutschland und der Schweiz wurden nach EUA-Angaben Überschreitungen in vier, in den Niederlanden und der Tschechischen Republik in drei aufeinander folgenden Monaten verzeichnet.

Griechenland mit den meisten Tagen an Überschreitung

Griechenland registrierte die höchste Zahl an Tagen mit Überschreitungen - 68 - gefolgt von Frankreich (56), Italien (52) und Spanien (48). In Österreich wurden 13 solche Tage registriert. Ein korrekter Vergleich anhand dieser Gesamtzahlen ist jedoch nur bedingt möglich, da die Anzahl der Überwachungsstationen bei den einzelnen Ländern sehr verschieden ist.

Die Behörden sind verpflichtet, die Öffentlichkeit auch dann zu warnen, wenn die Ozonkonzentrationen einen Wert von 360 Mikrogramm (Millionstel Gramm, Anm.) pro Kubikmeter als Mittelwert während einer Stunde, überschreiten. Im Juni 2002 wurde dieser Wert an drei Überwachungsstationen in Spanien sowie in jeweils einer Station in Frankreich und Italien überschritten. In Österreich betrug der höchste gemessene Wert 265 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Spanien mit höchstem Wert

Die höchste Ozonkonzentration in diesem Sommer betrug 391 Mikrogramm pro Kubikmeter, gemessen am 22. Juni im spanischen Puertollano. 2001 war ebenfalls in Spanien im November ein Höchstwert von 470 Mikrogramm verzeichnet worden.

Eine neue, im kommenden Jahr in Kraft tretende Ozonrichtlinie sieht unter anderem die Einführung eines "Alarm"-Schwellenwertes von 240 Mikrogramm pro Kubikmeter vor. Etwa sieben Prozent der diesjährigen Überschreitungen des Schwellenwertes für die Unterrichtung der Bevölkerung lagen oberhalb dieses künftigen Alarm-Schwellenwertes. Bei dessen Überschreitung müssen die jeweiligen Regierungen entsprechende Aktionspläne in Gang setzen, die eine sofortige Senkung der Ozonbelastung bewirken sollen, wo immer dies durchführbar ist.

Die bei den diesjährigen Überschreitungen des Schwellenwertes für die Unterrichtung der Bevölkerung ermittelte durchschnittliche maximale Ozonkonzentration liegt etwas höher als 2001, doch die durchschnittliche Überschreitungsdauer ist niedriger. Derlei Jahresschwankungen spiegeln vor allem Unterschiede im Sommerklima sowie die Veränderungen im Umfang des Überwachungsnetzwerkes wieder. (APA)

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