17 Sexualmorde der vergangenen zwölf Jahre wären verhinderbar gewesen

16. Oktober 2002, 13:13
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Mit der Forensische Psychiatrie soll die Wiederholungsgefahr besser einschätzbar werden

Leogang - 17 Sexualmorde der vergangenen zwölf Jahre wären verhinderbar gewesen. Das erklärte Kriminalpsychologe Thomas Müller heute, Mittwoch, bei den Sicherheitstagen des Kuratoriums Sicheres Österreich (KSÖ) in Leogang. Als Begründung nannte der Experte die Tatsache, dass es sich bei den Mördern um Wiederholungstäter handelte, und diese wären mit den jetzt zur Verfügung stehenden Informationen leichter erkennbar gewesen.

Möglich soll dies eine neue Methode machen, das so genannte Crossover Design. Müller präsentierte diese zusammen mit dem ärztlichen Leiter der größten Maßregelvollzugsanstalt in Europa, Michael Osterheider, vom Westfälischen Zentrum für Forensische Psychiatrie.

Crossover Design

Beim Crossover Design geht es darum, die Informationen des Ermittlungsverfahrens den Experten im Maßregelvollzug zugänglich zu machen, die eine Beurteilung des Rückfallrisikos zu erstellen haben. Müller: "Bis zu 95 Prozent der Informationen des Ermittlungsverfahrens verschwinden in den Kellern der Landesgerichte."

Der Schwerpunkt dieser Informationen liegt bei der Tatort-Analyse, aus der zunächst die Kriminalpsychologen Rückschlüsse auf die Bedürfnisse des Mörders ziehen können. Genau das ist den Experten zufolge später - bei der Beurteilung einer allfälligen Wiederholungsgefahr, aber auch bei Therapieansätzen - ebenso wichtig. "Es ist nicht entscheidend, was jemand sagt, sondern das, was er tut", formulierte es Müller.

Die Spezialisten für Crossover Design - übrigens eine Kooperation des Kriminalpsychologischen Dienstes des Innenministeriums mit der Westfälischen Zentrum für Forensische Psychiatrie - beschäftigen sich ausschließlich mit sexuell motivierten Tötungsdelikten. Die Fragestellung lautet: "Was geht in solchen Menschen vor?", sagte Osterheider.

Tatortanalyse klärt die Bedürfnisse der Patienten

Die Tatort-Analyse sei umso wichtiger, da die Patienten nicht über ihre Bedürfnisse sprechen, erklärte der Leiter der Forensischen Psychiatrie. "Die meisten sagen: 'Eigentlich war ich das gar nicht. Das war jemand anderer.'" Besonders aussagekräftig sei die Analyse eines Tatortes unter dem Gesichtspunkt: "Was hat der Täter getan, was er nicht tun musste?", betonte Osterheider.

Die Experten zeigten sich überzeugt, dass ohne Auseinandersetzung mit der Tat eine kritische Prognose zum Täter nicht möglich ist. Bei dem interdisziplinären Ansatz des Crossover Designs arbeiten übrigens neben Kriminalpsychologen und forensischen Psychiatern auch Vertreter der Rechtsmedizin sowie Kriminalisten mit. (APA)

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