Temelin: Abschalten und konservieren

16. Oktober 2002, 12:39
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Tschechische Studie hält diese Variante für die "beste Lösung aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht"

Prag - Das tschechische Atomkraftwerk Temelin sollte außer Betrieb gesetzt und dauerhaft konserviert werden, weil dies aus der sowohl ökonomischen als auch ökologischen Sicht vorteilhafter sei. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie, deren Ergebnisse die Vertreter der tschechischen Bürgerbewegung "In der Havariezone des AKW Temelin" am Mittwoch in Prag veröffentlichten

Die neue Analyse, die der tschechische Experte Josef Riha ausgearbeitet hat, ist nach Auffassung der Bürgerbewegung besonders ausführlich, weil sie auch die so genannte Nullvariante (die Abschaltung Temelins, Anm.) ernsthaft in Betracht ziehe. Riha ist Professor an der Prager Technischen Universität und beteiligte sich im vergangenen Jahr auch an dem Umweltverträglichkeits-Bericht zu Temelin, den die tschechische Seite auf Grund der Melker Vereinbarungen ausarbeiten ließ.

Nullvariante nicht null?

Die Aussagekraft dieses Berichtes vom Vorjahr, der die Einwirkungen des Kraftwerkes auf die Umwelt als "klein, unbedeutend und annehmbar" eingestuft hatte, ist aber nach Auffassung der Bewegung angesichts der andauernden kontroversen Interpretierung des Begriffes "Nullvariante" "deutlich beschränkt". Die zuständige Regierungskommission habe nämlich die Nullvariante als Nicht-Inbetriebnahme und Konservierung definiert, allerdings mit dem Wissen, dass das Kraftwerk nach der Behebung eventueller Mängel wiederholt in Betrieb genommen werde, erklärte die Chefin der Bewegung, Marta Heveryova.

"Eine objektive und auf Grund der internationalen Methodik durchgeführte Beurteilung der Auswirkungen Temelins auf die Umwelt ist im Interesse aller Bürger der Tschechischen Republik", betonte Heveryova. Die vorgestellte Studie Rihas basiere auf dem Vergleich von sieben möglichen Szenarien der Entwicklung der tschechischen Energieindustrie. Insgesamt neunzehn Kriterien, darunter Sicherheit, Umweltschutz, Wirtschaft, soziale Fragen und andere, seien dabei berücksichtigt worden. Heveryova forderte eine neue Diskussion über das Kraftwerk auf Grundlage der Studie.

"Variante V2" sieht Stopp vor

Aus der Analyse gehe hervor, dass die vorteilhafteste Lösung die Beendigung des Projektes Temelin sei. Diese Alternative, die im Dokument als "Variante V2" vorgestellt wird, sei auch aus ökologischen Sicht am besten. V2 sieht folgendes Entwicklung vor: das Projekt Temelin wird gestoppt, es kommt zu keinem kommerziellen Betrieb des Kraftwerkes. Das AKW wird dauerhaft, ohne Demolierung der Gebäude, konserviert. Der Stromverbrauch Tschechiens wird aus bestehenden Quellen gedeckt und die überflüssige Produktionskapazität zum Teil exportiert.

Ein führendes Mitglied der Bürgerbewegung, Vladimir Halama, sagte, man habe sich mit einem Gesuch an den Staatspräsidenten und die Regierung um die Ergänzung des ursprünglichen UVP-Berichtes gewandt, "damit man unbestritten beweisen kann, wie dieses kontroverse Kraftwerk nicht nur die Umwelt, sondern auch die Wirtschaft, die Energieindustrie, die Sicherheit sowie den sozialen Bereich beeinflusst". (APA)

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    Dem AKW Temelin könnte ein ähnliches Schicksal wie Zwentendorf beschieden sein

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