Arik Brauer erhielt Ehrenkreuz 1. Klasse

16. Oktober 2002, 12:34
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Bundespräsident Klestil würdigte dessen "Fantasie, Lebensfreude und Mitmenschlichkeit"

Wien - Der Wiener Maler, Sänger und Autor Arik Brauer (73) ist am Mittwoch in Wien von Bundespräsident Thomas Klestil mit dem Österreichischen Ehrenkreuz 1. Klasse ausgezeichnet worden. Klestil würdigte in seiner Laudatio das vielseitige Lebenswerk Brauers, der zu einer "Zentralfigur der Wiener Schule des Phantastischen Realismus" wurde, ebenso wie dessen humanes Engagement. Der jüdischen Tradition verbunden, aus der er komme, habe Brauer in seiner Arbeit immer wieder Elemente anderer Weltkulturen übernommen und weiter entwickelt.

Laudatio

"Arik Brauer ist ein Genie, das die Vielfalt und Buntheit des Lebens in einer Zeit einzufangen versteht, in der Monotonie und Kälte drohen, den Alltag der Menschen zu dominieren", so Klestil, "Er ist ein Zauberer und Magier, der seit Jahrzehnten für Fantasie und Lebensfreude steht, aber auch für Mitmenschlichkeit und Toleranz. Kann es sein, dass vielleicht vor 73 Jahren an seiner Wiege ein Engel stand, der Talente verteilte - ein Engel, der jenem gleicht, der so oft auf seinen Bildern zu sehen ist?"

Brauer erzählte in seiner Dankesrede, er habe schon als Kind die Welt und die Menschen retten wollen. Später habe er gedacht, das könne auch die Kunst. Schließlich sei er draufkommen, das könne sie nicht - vielmehr sei die Kunst selbst das wirkliche Leben, alles andere nur der Kampf ums Dasein. Sein Ziel sei immer das "Schaffen von Gebilden" gewesen, und er empfinde "tiefe Freude und Dankbarkeit", dass dieses Schaffen, dem er sei Leben verschrieben habe, auch geehrt werde. Diese Ehrung verstehe er auch als Anerkennung für die Malerei im Allgemeinen, denn "heute eine figurative Malerei zu ehren, grenzt schon fast an Kühnheit".

Umweg über Paris

Arik Brauer wurde am 4. Jänner 1929 in Wien als Erich Brauer in eine russisch-jüdische Handwerkerfamilie geboren. Brauers Vater starb in einem Konzentrationslager, er selbst überlebte in einem Versteck. Nach dem Krieg studierte Brauer an der Akademie der bildenden Künste in Wien, unter anderem bei Herbert Boeckl und Albert Paris Gütersloh, dem geistigen Vater der Wiener Surrealisten.

Nach ausgedehnten Reisen und Jahren in Paris, wo er gemeinsam mit seiner Frau Naomi seinen Lebensunterhalt mit Singen verdiente, wurde er in den 60er Jahren, zusammen mit Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Anton Lehmden und Wolfgang Hutter, einer der Stars der Wiener Kunstszene. Neben seiner zweiten Karriere als Liedermacher und Dialektsänger arbeitete Brauer auch als Grafiker und Bühnenbildner. Seit 1993 sthet zudem ein "Brauer-Haus" auf der Wiener Gumpendorfer Straße. (APA)

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    Thomas Klestil und Arik Brauer am Mittwoch im Rahmen der Feierstunde in der Wiener Hofburgt

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