Stress: Primär ein Problem der Männer

16. Oktober 2002, 12:14
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Östrogen senkt Cortisol- und Adrenalin-Produktion - Konzentration der Stresshormone ist bei Männern höher

Greenwich - Frauen sind dank den schützenden Wirkungen des weiblichen Sexualhormons Östrogen weniger stressanfällig als Männer. Laut einer Studie der University of Greenwich reduziert Östrogen die Produktion der Stresshormone Cortisol und Adrenalin. Beide Hormone werden im Zuge langer Stressphasen ausgeschüttet.

Um die Werte der Stresshormone zu erheben, wurden bei 315 männlichen und weiblichen Krankenhausbediensteten im Alter zwischen 20 und 60 Jahren Harnuntersuchungen durchgeführt. "Die Werte waren bei jungen, männlichen Krankenpflegern wesentlich höher als bei gleichaltrigen Krankenschwestern", erklärte Studienleiter Harry Chummun. Bei Probanden höheren Alters waren die Unterschiede im Stresshormon-Spiegel zwischen den Geschlechtern weniger stark ausgeprägt. "Der Grund dafür ist wahrscheinlich, dass Frauen nach der Menopause einen niedrigeren Östrogenspiegel haben", so Chummun. Dennoch seien die Werte der Stresshormone bei älteren Frauen, die eine östrogenhaltige Hormonersatztherapie erhalten, niedriger als bei Männern des selben Alters. Laut dem Forscher bekräftigt dies die Annahme, dass Östrogen für die Senkung der Stresshormone bei Frauen verantwortlich ist.

Gründe für höhere Stressresistenz noch nicht klar

Schlussfolgerung der Ergebnisse ist, dass Männer und postmenopausale Frauen für Stress bezogene Erkrankungen anfälliger sind als junge Frauen. Weitere Forschungen sind aber zur Klärung der Frage notwendig, warum Östrogen Frauen vor Stress schützt. Der Bericht ist insbesondere für die diesjährige "Stress Management Week" interessant. Diese Initiative wird von der europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz organisiert, um den Faktor Stress am Arbeitsplatz hervorzuheben.

Nach Angaben der Agentur gibt beinahe jeder dritte Arbeitnehmer in Europa - mehr als 40 Millionen Menschen – an, unter Stress am Arbeitsplatz zu leiden. Die Konsequenz davon: Arbeitsbedingter Stress führt jedes Jahr zum Verlust von Millionen Arbeitstagen. Viele Unternehmen seien sich gar nicht bewusst, wie sehr psychosoziale Risiken, insbesondere Stress am Arbeitsplatz, ihre wirtschaftlichen Erfolge beeinträchtigen können. Aus diesen Gründen ist die Vermeidung von psychosozialen Risiken das Hauptthema der diesjährigen Europäischen Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit. Die Europäische Woche findet im Oktober statt. Die einzelnen Mitgliedstaaten entscheiden darüber, in welcher Oktoberwoche genau die jeweiligen Veranstaltungen durchgeführt werden. (pte)

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