"MTV-Spiel über deutsche Spaßguerilla"

16. Oktober 2002, 13:12
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Deutschland im Kinoherbst: Ex-RAF-Terroristin Proll sieht in Christopher Roths "Baader"-Film einen "Pophelden" agieren

Hamburg - Das ehemalige RAF-Mitglied Astrid Proll erhebt zum nun zum 25. Todestag des Terroristen Andreas Baader in Deutschland anlaufenden Film "Baader" (ab 29. November auch in Österreich) Einwände: Dieser sei "gescheitert an dem Anspruch, zu dem der Titel des Films die Autoren verpflichtet: ein Leben darzustellen und zu erklären", schreibt die Weggefährtin Baaders in der Wochenzeitung "Zeit" (Neue Ausgabe ab Freitag online). Regisseur Christopher Roth habe "ein MTV-Fernsehspiel gedreht über eine deutsche Spaßguerilla - mit einem Pophelden Andreas Baader".

"Fantasie, Spiel"

"Das Gefühl unseres radikalen Aufbruchs vermittelt Christopher Roth nicht", moniert Proll. Die RAF werde "zu einer aufregenden Fantasie, einem Spiel, bei dem junge Leute mit Pistolen herumfuchteln dürfen". Weder hätten die tatsächlichen Terroristen mit Pistolen herumgefuchtelt, noch sei die RAF für sie ein Spiel gewesen. "Wir hatten Angst um unser Leben, auch wenn wir nicht wagten, darüber miteinander zu sprechen. Wir verdrängten unsere Angst."

Auch die "herablassende Reduzierung der Figur Meinhof auf eine Nebenrolle" sei falsch, kritisierte Proll. Ulrike Meinhof sei "lange die Stimme der RAF" gewesen. Die beiden Filmautoren Roth und Moritz von Uslar hätten aus einem Drama eine Komödie gemacht, die ihnen misslungen sei.

Künstlerische Freiheiten

Roths Film ist deklariert nicht als faktengetreue Chronologie angelegt, sondern erlaubt sich künstlerische Freiheiten, die nicht mit den tatsächlichen Ereignissen übereinstimmen.

Die heute 55-jährige Astrid Proll war Ende der 60er Jahre Mitglied der RAF. Sie lebte ein Jahr lang mit Baader und Gudrun Ensslin im Untergrund, bis sie 1971 festgenommen wurde. Sie saß vier Jahre wegen Banküberfalls und Urkundenfälschung im Gefängnis. (APA/AP)

  • Laura Tonke als Gudrun Ensslin und Frank Giering als Andreas Baader
    foto: polyfilm

    Laura Tonke als Gudrun Ensslin und Frank Giering als Andreas Baader

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