Hungrige Sambier stürmten Depot mit genmanipuliertem Mais

16. Oktober 2002, 18:49
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815 Millionen Menschen leiden an Hunger - Erst bis 2040 soll die Zahl um dei Hälfte reduziert werden...

Lusaka - Hungrige Dorfbewohner haben in Sambia ein Depot mit dort eingelagertem genmanipulierten Mais geplündert. Nach Angaben der staatlich kontrollierten Medien von Mittwoch ereignete sich der Vorfall in dem Ort Mumbwa, 130 Kilometer nördlich der Hauptstadt Lusaka.

Mais war für Rücktransport in die USA gelagert

Die Plünderung habe begonnen, als die Verteilung der Nahrungsmittelhilfe neu geregelt werden sollte. Die erzürnten Sambier, die zuvor für ihr versprochenes Lebensmittelpaket gearbeitet hatten, plünderten daraufhin mehr als 500 der 50-Kilogramm-Pakete. Die aus einer US-Nahrungshilfe stammenden Säcke waren dort zum Rücktransport gelagert, da Sambias Regierung keinen genmanipulierten Mais akzeptiert.

Hungertote nach Dürreperiode in Namibia

Das Land wird zur Zeit, wie mehrere andere Staaten der Region auch, von einer Dürre geplagt, die zu akuten Versorgungsengpässen geführt haben. Hilfsorganisationen sagen eine humanitäre Katastrophe voraus, sollte die Regenzeit nicht pünktlich einsetzen. Vor vier Wochen hatte es bereits in einem anderen Ort ähnliche Ausschreitungen gegeben wie in Mumbwa. Die Regierung hatte vor kurzem einen Oppositionspolitiker mit einer Klage wegen öffentliches Aufruhr gedroht, weil er über Hungertote in seinem Wahlkreis berichtet hatte.

815 Millionen Menschen leiden an Hunger Weltweit leiden mehr als 815 Millionen Menschen an Hunger und chronischer Unterernährung. Das erklärte der UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler aus Anlass des an diesem Mittwoch stattfindenden Welternährungstages in Genf. Alle sieben Sekunden stirbt ein Kind unter zehn Jahren an Hunger, alle vier Sekunden verliert ein Mensch sein Augenlicht wegen Mangels an Vitamin A.

Hunger ist von Menschen verursacht

Auf dem Welternährungsgipfel 1996 hatten sich 186 Staaten vorgenommen, die Zahl der Hungernden bis 2015 von damals 841 Millionen Menschen um die Hälfte zu reduzieren. Beim jetzigen Rhythmus werde es aber länger als bis 2040 dauern, um dieses Ziel zu erreichen, sagte der Schweizer Sonderberichterstatter. Der Hunger werde von Menschen verursacht. Der Planet könnte seinen Angaben zufolge heute zwölf Milliarden Menschen ernähren.

Der Zugang zu Land sei ein grundlegendes Element des Rechts auf Nahrung, schrieb Ziegler in einem Bericht, den er im November der UN- Vollversammlung vorlegen will. Das Recht auf Nahrung müsse gegenüber dem Handel Priorität haben. Die Agrarverhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) müssten gewährleisten, dass das Recht auf Nahrung respektiert werde. (APA,dpa)

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