Schweizer Autobau vor dem Aus

16. Oktober 2002, 11:06
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DaimlerChrysler lässt Saurer-Nachfolger NAW fallen - Nutzfahrzeug-Produzent schlittert in die Pleite

Arbon/Genf - Der traditionsreiche Schweizer Autobau steht endgültig vor dem Aus, und Betroffene sind sich einig: Schuld haben die Deutschen, denn seit 1992 haben sie in dem Werk das Sagen. Saurer-Lastwagen standen einst als Symbol für Schweizer Zuverlässigkeit, und sie bildeten sprichwörtlich das Rückgrat der Schweizer Armee. Durch Managementfehler war damit Anfang der 80er Jahre am Standort Arbon im Kanton Thurgau am Bodensee Schluss. Daimler-Benz stieg ein - und lässt nun die verbliebene NAW Nutzfahrzeuge AG fallen.

NAW droht ein Verlust von 10 Mill. Franken (knapp 7 Mill. Euro) bei 100 Mill. Franken Umsatz und einem Eigenkapital von nur 15 Mill. Franken - und DaimlerChrysler will nicht mehr helfen. Die Produktion soll in andere Werke des Konzerns verlagert werden.

Ende Jänner verlieren die verbliebenen 250 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze, wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Sie waren von der einst 4.500 Beschäftigte zählenden Adolph Saurer AG übrig geblieben, die damals Lastwagen und Autobusse gefertigt hatte. Als Grund für das Aus muss ausgerechnet der seit dem 11. September ins Trudeln geratene Luftverkehr herhalten, der schon die andere Schweizer Traditionsmarke Swissair zu Fall gebracht hat.

Bei der Nutzfahrzeugegesellschaft Arbon & Wetzikon AG (NAW) hatte im Februar 2000 die Sachsenring AG (Trabant) 51 Prozent übernommen, den Rest hält DaimlerChrysler. Hergestellt werden unter anderem Fahrgestelle für Flughafenbusse von DaimlerChrysler, und noch im April 2001 sprach man in Arbon von einer Erfolgsgeschichte. Die Terroranschläge führten zu einem Totalausfall bei der Nachfrage, wie die NAW-Geschäftsführung jetzt einräumte. Auch für das Entsorgungsfahrzeug "Econic", das seit 1998 rund 3.000 Mal verkauft wurde, stockt der Bedarf. Sachsenring meldete im Mai Insolvenz an. Ein Sprecher von DaimlerChrysler berichtet, dass für NAW vergeblich nach einem Käufer gesucht worden sei. Man bedauere, dass kein neuer Kooperationspartner gefunden werden konnte. Als letzter Teil der ehemaligen Saurer-Lastwagensparte verbleibt noch die Motorenforschung von Iveco.

Saurer hatte den unrentablen Motorfahrzeugbau Anfang der 80er Jahre eingestellt. Das Unternehmen konzentrierte sich wieder auf den Textilmaschinenbereich. Noch vor der Jahrhundertwende waren in Arbon die ersten Personenwagen entstanden, 1917 kamen die ersten Lastwagen auf den Markt - sie wurden später in alle Welt exportiert. Hauptgründe, die Saurer 1982 bewogen, den Bau der oft als Rolls Royce unter den Lastwagen bezeichneten Fahrzeuge aufzugeben, waren hohe Entwicklungskosten und stagnierende Verkaufszahlen. Das definitive Ende wurde bis 1986 durch Aufträge der Schweizer Armee aufgeschoben. Zuverlässigkeit, Stabilität und geringer Verbrauch zeichneten Saurer aus. Noch heute sind sie im Straßenbild täglich anzutreffen. (APA/dpa)

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    Der 4 x 4 Saurer 2 DM, Rückgrat der eidgenössischen Armee.

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