Regierung will Arbeitsplätze um jeden Preis erhalten

18. Oktober 2002, 15:15
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Sanierungsplan muss neu überdacht werden - Banken müssen ihren Teil beitragen

Rom - Die italienische Regierung verstärkt im Tauziehen um die Rettung des hochverschuldeten Turiner Fiat-Konzerns ihren Druck auf die Unternehmensführung. Nachdem Regierung und Gewerkschaften am Vorabend die Fiat-Pläne zum Abbau von 8.100 Stellen als inakzeptabel bezeichnet hatten, kam am Freitag der Ministerrat zusammen, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten. "Unsere Aufgabe ist es, im Rahmen der in Europa zulässigen Möglichkeiten die negativen sozialen Auswirkungen der Fiat-Krise zu verhindern - vor allem in den wirtschaftlich ärmsten Gegenden des Landes", sagte ein Regierungssprecher nach dem Treffen.

"Banken müssen Teil beitragen"

Am Freitag wollte zudem Fiat-Auto-Chef Giancarlo Boschetti mit Vertretern der vier Gläubigerbanken zusammentreffen. "Der Fiat-Plan muss neu überdacht werden, und auch die Banken müssen ihren Teil dazu beitragen. Eine so schwere Krise kann man nicht allein durch Stelleneinsparungen überwinden", sagte Vizeministerpräsident Gianfranco Fini.

Die vier Fiat-Gläubigerbanken hatten sich dagegen bereits mit den Fiat-Plänen, die neben einer drastischen Produktionsdrosselung auch Milliarden-Investitionen in neue Modelle vosehen, einverstanden erklärt. Eine Staatsbeteiligung zur Rettung des Unternehmens schlossen die Banken aus. Die Gewerkschaften kündigten weitere Protestaktionen an.

"Auf jede mögliche Weise"

Wir sind bereit, auf jede nur mögliche Weise einzugreifen, um einen der wichtigsten Pfeiler der italienischen Wirtschaft zu retten", sagte ein Minister. Die Gewerkschaften forderten den Konzern auf, weitere Vermögenswerte etwa auf dem Medien- und Sportsektor zu verkaufen, statt Angestellte zu kündigen. Gewerkschaften und Regierung hatten seit Tagen betont, eine Streichung der Arbeitsplätze um jeden Preis verhindern zu wollen. Bis Ende Oktober seien weitere Verhandlungen mit dem Fiat-Management geplant, hieß es. Dies sei jedoch nur möglich, wenn der Konzern alternative Lösungsmodelle zu den Stellenkürzungen anbiete, hieß es nach Zeitungsberichten vom Freitag.

Das italienische Wirtschaftsministerium hat unterdessen die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley als finanziellen Berater eingesetzt und mit einer eingehenden Prüfung des Fiat-Plans beauftragt. (APA)

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