Kein Phantombild von Heckenschützen

16. Oktober 2002, 20:55
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Zeugenaussagen waren zu ungenau - Neunter Mord brachte dennoch zahlreiche Hinweise - Armee setzt Spionagejets ein

Washington - Die Hoffnungen der US-Polizei, ein Phantombild des Heckenschützen von Washington erstellen zu können, haben sich am Mittwoch nicht erfüllt. Die Zeugenaussagen vom Ort der jüngsten Tat seien zu ungenau, gab die Polizei des Distrikts Montgomery County bekannt. "Wegen der Entfernung, der Dunkelheit und vielleicht auch wegen des Adrenalins" hätten die Zeugen kein klares Bild geben können, sagte eine Polizeisprecherin. "Der einzige gemeinsame Nenner ist bisher: männlich." Nach dem neunten Mord am Montagabend hatten sich mehrere Augenzeugen bei der Polizei gemeldet.

Armee setzt Spionagejets ein

An der Jagd nach dem Täter wird sich die US-Armee mit Aufklärungsflugzeugen beteiligen. Auf Anfrage der Bundespolizei habe Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einige der technisch hochgerüsteten Maschinen zur Verfügung gestellt, sagte ein Sprecher des Ministers in Washington. Über die Zahl oder den Typ der Flugzeuge wollte sich der Sprecher nicht äußern. Aus dem Pentagon verlautete, es sei der Einsatz von Spionageflugzeugen des Typs RC-7 geplant, die mit Infrarot-Kameras hoch präzise Bodenaufnahmen liefern können. Die Flugzeuge werden auch gegen Drogenschmuggler in Kolumbien eingesetzt.

Waffenkartei

Das Weiße Haus deutete unterdessen an, möglicherweise von der bisherigen Ablehnung einer landesweiten Registrierung von Waffenbesitzern abzurücken. "Diese Frage muss untersucht werden", sagte Präsidentensprecher Ari Fleischer. Bei einem Treffen von Beamten des Weißen Hauses mit Vertretern der Bundesbehörde für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen sei vereinbart worden, die Einrichtung einer nationalen Waffenkartei zu prüfen. Bisher hatte sich die Regierung von US-Präsident George W. Bush stets gegen ein solches Register gestellt.

US-Militär hilft bei der Suche

Das US-Verteidigungsministerium hilft bei der Suche nach dem Täter. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat am Dienstagabend (Ortszeit) den Einsatz von Aufklärungsflugzeugen genehmigt. Weil eine direkte Beteiligung des Militärs bei der Strafverfolgung in den USA seit 1878 gesetzlich verboten ist, sollen die Maschinen zwar von Militärpiloten geflogen werden; die Ermittlungsarbeit an Bord wird aber von Beamten des Bundeskriminalamtes FBI erledigt.

Zahlreiche Hinweise sollen bald zur Festnahme führen

Der Heckenschütze hatte am Montagabend zum elften Mal zugeschlagen. Er erschoss auf einem überdachten Parkplatz im Bezirk Fairfax die FBI-Mitarbeiterin Linda Franklin. Er konnte erneut durch ein engmaschiges Netz der Polizei schlüpfen, hinterließ diesmal aber zahlreiche Spuren. Die Polizei sicherte "einen Berg Indizien und Hinweise", wie sie mitteilte. "Ich bin zuversichtlich, dass diese Informationen bald zu einer Festnahme führen", sagte der Polizeichef des Bezirks, Tom Manger.

FBI- Mitarbeiterin war das letzte Opfer

Die 47-Jährige war vor den Augen ihres Mannes mit einem gezielten Kopfschuss ermordet worden. Sie arbeitete seit dreieinhalb Jahren als Analystin für das FBI und hatte davor an US-Militärschulen in Belgien und Japan unterrichtet, hatte nach Angaben der Polizei aber nichts mit der Fahndung nach dem Heckenschützen zu tun. Angehörige und Bekannte erinnerten sich am Mittwoch an eine mutige, sportliche Frau, die gerade eine Brustkrebserkrankung überwunden hatte und mit ihrem Mann in ein neues Haus ziehen wollte.

George W. Bush trotzdem gegen Verschärfung des Waffengesetzes

US-Präsident George W. Bush lehnte trotz der Mordserie eine Verschärfung der Waffengesetze ab. Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, erteilte Rufen nach einem ballistischen Fingerabdruck für alle in den USA verkauften Waffen eine Abfuhr. Es gebe Experten, die dies für nicht genügend aussagekräftig hielten, sagte er. Bei dem ballistischen Fingerabdruck handelt es sich um eine Methode, bei der mit Hilfe der winzigen Unterschiede und Merkmale im Lauf eines jeden Gewehrs die Kugeln zu einer Waffe zurück verfolgt werden können. Dafür müssen aber alle Waffen registriert werden. (APA)

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