"Pommerscher Dickkopf" Stolpe

16. Oktober 2002, 10:03
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Ein prominenter und profilierter ostdeutscher Politiker führte zwölf Jahre lang Landesregierung von Brandenburg

Berlin - Manfred Stolpe, der im neuen deutschen Bundeskabinett von Kanzler Gerhard Schröder die Ressorts Verkehr, Bau und Aufbau Ost übernehmen soll, ist einer der prominentesten und profiliertesten ostdeutschen Politiker. An der Spitze dreier verschiedener Koalitionen führte der als "Pommerscher Dickkopf" bekannte SPD-Mann zwölf Jahre lang die brandenburgische Regierung. Sein Rückzug aus dem Amt im Juni diesem Jahres markierte das Ende einer politischen Ära in Brandenburg.

Vor der Wende stand Stolpe in der DDR von 1959 an im Dienst der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Als Konsistorialpräsident stieg er in die Führung des ostdeutschen Kirchenbundes auf, seine Kontakte zur DDR-Staatsführung waren nach der Wiedervereinigung für manche Anlass zu Kritik.

1990 trat Stolpe der SPD bei und ging als Sieger aus der ersten Landtagswahl in Brandenburg hervor. Vier Jahre später erreichte der "Workaholic" trotz lahmender Konjunktur, steigender Arbeitslosigkeit und zunehmender Ausländerfeindlichkeit im Land die absolute Mehrheit. Seit 1996 steht er dem "Forum Ostdeutschland" der Bundes-SPD vor.

Mehrere Affären in der Potsdamer Landesregierung und Jahre lange rechtliche Auseinandersetzungen um seine angebliche Stasi-Vergangenheit erschütterten die Popularität des Landesvaters nicht. Unter dem Decknamen "Sekretär" soll er rund 20 Jahre lang Kontakt zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit gehabt haben, ein Untersuchungsausschuss entlastete ihn vom Vorwurf der aktiven Mitarbeit.

Die Volksabstimmung gegen die von Stolpe favorisierte Fusion Brandenburgs mit Berlin 1996 und die Entscheidung für einen neuen Hauptstadtflughafen in Berlin-Schönefeld markieren politische Niederlagen Stolpes. 1998 verlor die SPD ihre absolute Mehrheit und regiert nun in einer großen Koalition. In jüngster Zeit sah sich der Regierungschef einer Reihe spektakulärer Firmenpleiten gegenüber - die Insolvenzen der Prestige-Projekte Cargolifter und Lausitzring.

Stolpe wurde am 16. Mai 1936 als Sohn einer Postangestellten und eines Kaufmanns in Stettin geboren. Er ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter.(APA/dpa)

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