Was Vögel aufrecht hält

15. Oktober 2002, 20:30
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Deutscher Forscher fand bei Tauben zweites Gleichgewichtsorgan im Beckenbereich

Bochum - Ein Bochumer Wissenschafter hat nach eigenen Angaben das Rätsel gelöst, warum Vögel aufrecht stehen und laufen können. Wie die Ruhr-Universität Bochum am Dienstag mitteilte, gelang es dem Tierphysiologen Reinhold Necker in vierjähriger Forschung, ein zweites Gleichgewichtsorgan bei Tauben zu finden.

Gleichgewichtsorgan im Innenohr

Ebenso wie Menschen haben Vögel ein Gleichgewichtsorgan im Innenohr, mit dem sie sich im Flug orientieren können. Das erklärt aber nicht ihre Fähigkeit, aufrecht zu stehen und zu gehen, da ihr Körper anders als beim Menschen waagerecht ausgerichtet ist und der Schwanz als Gegengewicht nicht ausreicht.

Biologen hatten schon lange vermutet, dass Vögel zusätzlich zum Innenohr ein weiteres Gleichgewichtsorgan im Körper besitzen. Dieses habe Necker nun in dem Bereich des Beckens gefunden, der für die Beine zuständig ist, berichtete die Universität.

Die "Ergänzung"

Im so genannten Lumbosacralbereich befinden sich demnach Nervenzellen in den seitlichen Auslappungen des Rückenmarks sowie große Flüssigkeitsräume, die das Rückenmark umgeben. Über den Auslappungen öffnen sich Bogengänge. Wie im Bogengangsystem des Innenohrs üben die Flüssigkeitsbewegungen laut Necker einen mechanischen Reiz auf die Nervenzellen aus.

In elektrophysiologischen und elektronenmikroskopischen Untersuchungen zeigte der Bochumer Biologe auf, dass die Neuronen mechanische Reize wahrnehmen können. Weiterhin konnte gezeigt werden, dass die Nervenzellen sowohl auf das motorische System der Beine weiterverschaltet als auch die Reize zur Korrektur der Bewegung an das Kleinhirn weitergeleitet werden.

Beinmotorik

Verhaltensexperimente stützen diesen Befund: Wurden die Flüssigkeitsräume geöffnet, waren die Tiere mit zugebundenen Augen nicht mehr in der Lage, gerade zu stehen oder zu laufen. Sie fielen von ihrer Stange oder kippten nach der Seite. Fliegen konnten sie trotzdem, sodass der Wissenschafterschloss, dass dieses Sinnesorgan im Beckenbereich primär auf die Beinmotorik wirkt. (APA/AP)

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