Schlepperei: Soko-Grenze hob Bosse aus

15. Oktober 2002, 20:21
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Gendarmen und Polizisten aus Österreich, Deutschland, der Slowakei und aus Ungarn gelang spektakulärer Schlag gegen Schlepperei

Eisenstadt - Das Codewort war "Turban II": Gendarmen und Polizisten aus Österreich, Deutschland, der Slowakei und aus Ungarn gelang unter der Federführung der burgenländischen "Sonderkommission Grenze" ein spektakulärer Schlag gegen Schlepperei und Menschenschmuggel. 47 mutmaßliche Schlepper wurden ausgeforscht. Erstmals kamen die Fahnder auch an hochrangige Schlepperbosse heran, berichtete Burgenlands Sicherheitsdirektor Erhard Aminger gemeinsam mit Polizeivertretern aus Deutschland, der Slowakei und Ungarn am Dienstag in Eisenstadt.

16 Festnahmen - Armenier, Afghanen, ein Iraner, ein Russe und zwei Österreicher, von denen einer aus dem Irak stammt - gab es am Montag allein in Österreich, einige weitere in den anderen Ländern. "Wir mussten Schlepper aus dem Verkehr ziehen, weil sie dabei waren, sich aus Österreich abzusetzen", begründete Aminger mehrere Festnahmen schon vor der Schwerpunktaktion.

Die Bande dürfte Tausende Menschen in den EU-Raum geschleust haben. Bei Hausdurchsuchungen wurden zum Teil enorme Beträge in Euro und Dollar sichergestellt. Die Beamten wunderte es daher auch nicht, dass sie etwa auch ein Mercedes Coupé beschlagnahmen konnten.

Deutschrussen ausgeforscht

Es wurden gebürtige Deutschrussen ausgeforscht, die für 1000 US-Dollar illegale Grenzgänger weitertransportierten. "Der fährt nach Österreich, füllt seinen Pkw mit Illegalen an. An der Grenze werden polizeiliche Kontrollen ausspioniert, damit sie umgangen werden können", so ein Spitzenfahnder. Flüchtlinge werden bis Frankreich chauffiert.

Zwei afghanische Asylwerber, die im Raum Frankfurt lebten, werden verdächtigt, Drahtzieher der Geldwäsche-Aktivitäten der Organisierten Kriminalität sein. Das Zauberwort dafür heißt laut den Ermittlern "Hawala Banking".

Das System basiert auf Vertrauen (Arabisch: Hawala): Unter Umgehung rechtsstaatlicher Bedingungen, zu einem Bruchteil der Gebühren, die etablierte Banken verlangen und mit enormer Geschwindigkeit werden Schleusergelder von Deutschland oder Österreich beispielsweise nach Pakistan transferiert.

Die Boten bringen das Geld zu einem so genannten Hawala-Agenten. Der teilt seinem Partner im jeweiligen Land mit, wem was auszuzahlen ist. Das laufe mit Codezahlen und Codewörtern. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2002)

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