Kopf des Tages

16. Oktober 2002, 14:07
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Der Journalist Josef Broukal kandidiert auf sicherem Listenplatz für die SPÖ - ORF-Anchorman heuert auf Gusis roter Galeere an

Den interessierten TV-Konsumenten hat sich Josef Broukal am Abend nach der Wiener Wahl 1991 mit einem kurzen Wortwechsel auf ewig - oder wie lange das im Fernsehen eben dauern mag - im Gedächtnis verankert. Ein Interview mit dem damals noch voll im Saft stehenden FP-Chef Jörg Haider schloss Broukal mit einer Beobachtung anlässlich seiner Spaziergänge durch den Wiener Esterházypark: "Seit Ihre Wahlkampagne begonnen hat, steht dort auf jeder Parkbank ,Ausländer raus' und auf einigen das Hakenkreuz. Herzlichen Dank."

Es war ein Moment seltener Aufrichtigkeit - für den ORF ebenso wie für Jörg Haider, dem es ausnahmsweise die Rede verschlug. Mehr als halb Gestammeltes - es sei ja wohl die Frage, wer "diese Parolen aufgeschmiert" habe - brachte Haider nicht heraus, sieht man von der in der FPÖ damals schon üblichen Antwort ab, in unangenehmen Auseinandersetzungen die Gerichte zu bemühen. Ehe verhandelt wurde, bot Haiders Anwalt Dieter Böhmdorfer einen Vergleich an, dem Broukal zustimmen konnte: Er habe Haider persönlich nicht beleidigen wollen, sondern lediglich seine politische Kritik ausgedrückt. Darauf zog Haider die Klagen wegen Ehrenbeleidigung, auf Unterlassung und Widerruf zurück.

Für die FPÖ wurde Broukal damit endgültig zum roten Tuch, dessen geringste Bewegung den blauen Stier zu wütenden Ausfällen reizte. 1997 erlebte der stellvertretende Landeshauptmann Grasser einen Broukal in Hochform, der ihm die Anordnung, keine Ausländer auf Kärntner Baustellen zu beschäftigen, um die Ohren schlug. Live für den Report. Zwar stieg Grasser ein wenig eleganter aus ("Jetzt weiß ich, warum Kanzler Klima Sie als Pressesprecher wollte"), nach Intervention der FPÖ war Broukal aber seinen Job im Report los.

Der Ruf eines "Schwierigen" hat den 1946 in Wien geborenen Journalisten immer begleitet. Ehe Broukal zum - neben Robert Hochner - einzigen ORF-Anchorman von internationalem Format aufstieg, pflegte er das Image des Unangepassten im ORF-Landesstudio Niederösterreich, wo er ab 1974 als Redakteur tätig war. Die Jobs davor boten eher wenig Raum für rebellische Ausbrüche: Nach dem Studium der Anglistik und Sozialgeschichte werkte Broukal als Lektor für den Molden Verlag, danach als Texter für die Austria Wochenschau und später als leitender Sekretär für die Öffentlichkeitsarbeit der niederösterreichischen SPÖ.

Diese verließ er 1985, um jetzt wieder einzusteigen - in eine Partei, die sich, so Broukal bei seinem ersten Auftritt als Politiker, so gewandelt habe, dass sie Typen wie ihn vertrage. Ganz nebenbei tat der Computerfachmann dabei, was er schon als Moderator am besten konnte: Er brillierte. (Samo Kobenter/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2002)

  • Josef Broukal

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