"Todesuhr" tickt

15. Oktober 2002, 18:51
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WHO-Generaldirektorin Brundtland will schärfere Maßnahmen gegen Rauchen, etwa den Einfluss der Tabakkonzerne, begrenzen

Genf - Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Gro Harlem Brundtland, hat die Regierungen in aller Welt zu einem raschen und härteren Vorgehen gegen das Rauchen und zur Eindämmung des Einflusses der Tabakkonzerne aufgefordert. Brundtland erklärte am Dienstag zum Auftakt einer weiteren Gesprächsrunde für ein Tabakabkommen, jede Verzögerung bedeute weitere Tote. Sie sprach sich für ein Tabak-Werbeverbot, deutliche Steuererhöhungen und einem besseren Schutz vor dem Passivrauchen aus.

Die WHO-Chefin enthüllte eine "Todesuhr", die zeige, dass seit Beginn der Verhandlungen vor drei Jahren 11,9 Millionen Menschen von im Zusammenhang mit dem Rauchen stehenden Krankheiten gestorben sind. "Die Uhr tickt ganz regelmäßig", sagte Brundtland. "Die Todesrate ist es nicht. Sie steigt weiter an während wir sprechen."

Die WHO hatte zuletzt ihre Schätzungen zur Zahl der jährlichen Toten durch das Rauchen von vier Millionen auf 4,9 Millionen angehoben. Die UN-Gesundheitsorganisation nannte als Grund neue Untersuchungen aus Indien und China. Frühere Schätzungen, dass es 2030 jährlich zehn Millionen Tabak-Tote geben werden, seien wohl zu niedrig gegriffen.

Die Forderungen Brundtlands werden aber wohl in dieser Form nicht umgesetzt werden. Zu ihren Gegnern und den wichtigsten Bremsern bei den Verhandlungen gehören die USA, Deutschland und Japan. So lehnen die USA ein Werbeverbot ab, weil es gegen ihre Verfassung verstoße. Die Verhandlungen in Genf dauern noch bis zum 25. Oktober. Für Februar ist dann die letzte Gesprächsrunde angesetzt. (APA)

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