Basel II bei Banken im Praxistest

15. Oktober 2002, 19:09
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Auch österreichische Institute nehmen an Feldstudie über neue Eigenmittelvorschriften teil

Wien - Basel II, die gefürchteten neuen Eigenmittelvorschriften für Banken (ab 2007), gehen in die erste Runde der Anwendung. Rund 300 Kredit- und Geldinstitute in 50 Ländern werden sich demnächst einer umfangreichen Feldstudie (Qis III) unterziehen, in der die Auswirkungen der geplanten verschärften Anforderungen an die Ausstattung mit Mindestkapital beim Mittelstand und ihren Finanziers in der Praxis überprüft werden. Auch 22 bis 24 heimische Banken werden daran teilnehmen, kündigte Bankensyndikus Herbert Pichler am Dienstag an.

Grundprinzip des unter Basel II summierten Regelwerks ist die Annäherung des regulatorischen Eigenkapitals an das tatsächliche Risikoprofil einer Bank, sagte Gerhard Hofmann, der von der Deutschen Bundesbank in das Basel-Gremium entsandte Bundesbankdirektor. "Grundsätzlich sind höhere Kapitalunterlegungen nicht angestrebt, auch keine durchschnittlichen", betonte Hofmann, der für den deutschen Mittelstand Entschärfungen erwirkt hat.

Geringere Risikogewichte

Konkret heißt das, dass für Kredite an kleine Firmen nun geringere Risikogewichte vorgesehen sind. So sollen Klein-und Mittelbetriebe (KMU) bei Krediten bis eine Millionen Euro wie Privatkunden behandelt und deren Darlehen dem Privatkundengeschäft zugerechnet werden (75 Prozent Risikogewicht). Forderungen an Unternehmen mit weniger als 50 Mio. Euro Jahresumsatz seien im neuen Ansatz um bis zu 20 Prozent (durchschnittlich zehn) geringer zu unterlegen. Die Berücksichtigung des operationalen Risikos dürfe zu keiner höheren Eigenkapitalbelastung führen, forderte Pichler.

Österreich, das im Basel II-Komitee nicht vertreten ist, hat sich, wie berichtet, an die deutschen Initiativen angehängt. Trotz großer Fortschritte für den Mittelstand sieht der Bankensyndikus noch großen Handlungsbedarf bei den Richtlinien für Kreditvergabe.

Wegverhandelt wurde auch die Benachteiligung langfristiger Kredite. Die nationalen Bankenaufsichten können nun Betriebe mit einer Bilanzsumme und einem Jahresumsatz von bis zu 500 Mio. EURO von der "Restlaufzeitanpassung" (i.e. Zuschläge für Kredite mit mehr als 2,5 Jahren Laufzeit) befreien. Deutschland werde dieses Wahlrecht, das dann für alle Banken eines Landes gilt, nutzen, sagte Hofmann. Österreich wartet auf Brüssel und pocht auf Erleichterungen für Wohnbau und Tourismus-Branche. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 16.10.2002)

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