Tausche Ehrenkodex gegen Saisonierkontingent

15. Oktober 2002, 19:36
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Tirols Tourismus gesteht Schwarzarbeit ein

Innsbruck - Mit einem "Ehrenkodex für den Tiroler Tourismus" soll der Druck auf Wirtschaftsminister Martin Bartenstein verstärkt werden, der Branche das im Vorjahr auf 3880 Personen erhöhte Saisonierkontingent auch heuer in dieser Höhe zu genehmigen.

Betriebe, die Schwarzarbeiter beschäftigen (und erwischt werden), sollen künftig von einer weiteren Saisonierzuteilung ausgeschlossen und "öffentlich gemacht" werden, heißt es in der Vereinbarung. Bezahlung unter dem Kollektivvertrag und Schwarzgeld wird als "unlautere Konkurrenz" gebrandmarkt. Wörtlich heißt es: "Der Tiroler Tourismus braucht eine Selbstreinigung" sowie Investitionen in die Mitarbeiter, um die hohe Abwanderung von Fachkräften und Lehrlingen (70 Prozent steigen aus) zu stoppen.

"Wesentliche" Aufstockung

Unterzeichnet wurde das Papier von Landeshauptmann Wendelin Weingartner und AK-Präsident Fritz Dinkhauser (beide ÖVP), AMS-Chef Heinz Rohrmoser sowie Ernst Dengg und Gotthard Scheiber von der Wirtschaftskammer Tirol (Fachgruppen Gastronomie und Hotellerie). An den Bund richtet sich die Forderung, die beim Zoll eingerichtete Kontrollinstanz für illegale Ausländerbeschäftigung - derzeit sieben Beamte für 25.000 Betriebe - "personell wesentlich aufzustocken".

Der ÖGB Tirol wurde in die Gespräche nicht eingebunden, weil dieser das Saisoniermodell grundsätzlich ablehne, erklärte Weingartner. Dessen Vorsitzender, Franz Reiter, beharrt angesichts stei- gender Arbeitslosigkeit darauf, dass nur das Saisonierkontingent vom Winter 2000/ 01 (2760) genehmigt wird. (hs, DER STANDARD, Printausgabe 16.10.2002)

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