Das Interview

15. Oktober 2002, 17:32
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Fußi im STANDARD: "Wollen das System verändern"

624.720 Unterschriften hat Rudolf Fußi gegen Abfangjäger mobilisieren können - mit der Kandidatur seiner Partei "Die Demokraten" ist es schwieriger, erzählt er Conrad Seidl.



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STANDARD: Wie geht es Ihnen damit, dass Sie jetzt ziemlich plötzlich eine Kandidatur und einen Wahlkampf organisieren müssen?

Fußi: Danke, gut. Wir haben es in Wien geschafft, die nötigen 500 Unterschriften für die Kandidatur zu sammeln. Alle in unserer Partei sind entschlossen, das Projekt auf zehn bis 20 Jahre zu sehen. Wir wollen jetzt Strukturen aufbauen und in zehn bis 20 Jahren Österreich demokratisieren und liberalisieren.

STANDARD: Ein schwaches Wahlergebnis könnte da aber demotivierend wirken.

Fußi: Für uns ist diese Nationalratswahl, sind die nächsten Landtagswahlen alles nur Etappenziele, die wir zwar mit vollem Ernst angehen - aber wir werden nicht den Kopf hängen lassen, wenn es in den nächsten ein, zwei Jahren kein Erfolgserlebnis gibt. Wir werden also antreten, werden versuchen, unsere Inhalte zu kommunizieren, und werden natürlich auch wieder Instrumente der direkten Demokratie - sprich: Volksbegehren - nutzen, um unsere Themen zu kommunizieren.

STANDARD: Haben nicht gerade Sie gejubelt, als Neuwahlen angekündigt wurden?

Fußi: Ich habe die Neuwahlen begrüßt, weil die schwarz- blaue Regierung damit ihr Ende gefunden hat. Letztlich können wir uns bei uns selbst bedanken, weil das Volksbegehren ja schließlich zu den Beschlüssen der Freiheitlichen "Steuerreform statt Abfangjäger" geführt hat.

STANDARD: Aber als Partei hat es Ihnen eher geschadet?

Fußi: So ist es. Aber ich sehe das persönlich sehr entspannt - ich bin 24 Jahre alt. Wir haben gute Leute in der Partei - und wir haben jetzt Strukturen aufzubauen, privatwirtschaftlich die Partei zu führen und aufzubauen, dass wir jederzeit und innerhalb kürzester Zeit antreten können.

STANDARD: Haben Sie nicht die Sorge, dass die öffentliche Unterstützung ausbleibt, wenn Sie jetzt keinen Erfolg vorweisen können?

Fußi: Die öffentliche Unterstützung schaffen wir uns schon selbst. Da geht es nicht um ein großartiges Wahlergebnis, sondern wir wollen kommunizieren, woran es in Österreich krankt: dass es nämlich eine Beamten- und Kammern-Feudalherrschaft ist, wo der Bürger nicht zu seinem Recht kommt. Wenn es uns gelingt, diese Inhalte zu kommunizieren, dann mache ich mir um den Einzug keine Sorgen. Und mit Verlaub: Wir hatten ein erfolgreiches Volksbegehren; dass man innerhalb von zwei Monaten eine Partei nicht wahl-fit machen kann, von null auf 100, das ist klar. Wenn wir da ein, zwei Prozent bekommen, dann ist das keine Niederlage.

STANDARD: Was wäre ein Erfolg?

Fußi: Natürlich tritt jede Partei an, Mandate zu machen - aber wir messen unseren Erfolg nicht darin, sondern wollen das System verändern und das Schweizer System verankern.

STANDARD: Nützt das nicht politischen Extrempositionen?

Fußi: Der Bürger ist nicht so blöd, da setzt sich der Common Sense durch. Die Politik muss ihre Entscheidungen begründen, dafür setzen wir uns ein. Über Minderheiten oder die Todesstrafe kann man natürlich nicht abstimmen - wir sind den Menschenrechten verpflichtet. Das heißt aber auch, dass der Mensch aus der Gefangenschaft des Systems befreit werden muss. Wir wollen, dass der Staat keine Ordnungs-, sondern nur eine Schutzfunktion und eine Servicefunktion hat. Da sind enorme Einsparungen drinnen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.10.2002)

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    Rudolf Fußi

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