Steuerpläne der deutschen Koalition schlecht für Konjunktur

15. Oktober 2002, 16:09
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Ökonomen: Geplante Einschränkung bei der Verrechenbarkeit von steuerlichen Verlustvorträgen auf Unternehmensgewinne wird kritisiert

Frankfurt - Die von der deutschen Regierungskoalition aus SPD und Grünen geplante Einschränkung bei der Verrechenbarkeit von steuerlichen Verlustvorträgen auf Unternehmensgewinne schätzen Volkswirte als schädlich für die Konjunktur ein.

In der aktuellen Situation, in der viele Unternehmen auf Grund der schwachen wirtschaftlichen Lage kaum Gewinne erwirtschafteten, führten die Pläne vermutlich ohnehin nicht zu Mehreinnahmen für den Staat, sagten am Dienstag Ökonomen. Wenn die Konjunktur wieder anziehe, könnten die Unternehmen einen Teil ihrer dann erzielten Gewinne wegen der reduzierten Verrechenbarkeit der Verlustvorträge nicht produktiv nutzen. Investitionen könnten dadurch zurückgestellt und der erhoffte Aufschwung gebremst werden, hieß es. Aus den Zentralen vieler Konzerne war keine Stellungnahme erhältlich. Es sei noch zu früh für eine Einschätzung, hieß es. Das Vorhaben der Koalition müsse zunächst detailliert geprüft werden.

Unternehmen aller Sparten betroffen

Von der geplanten Neuregelung im Steuergesetz seien Unternehmen aller Sparten betroffen, erläuterten Volkswirte und Analysten. Besonders negativ werde sich die Regelung aber vermutlich auf Beteiligungsfirmen und junge Unternehmen auswirken. Die so genannten Start-up-Firmen würden wegen hoher Anlaufkosten in den ersten Jahren nur in den seltensten Fällen Gewinne erzielen und seien beim Aufbau ihrer Geschäfte auf steuerliche Verlustvorträge angewiesen, wurde argumentiert.

In den Koalitionsverhandlungen haben sich die Vertreter von SPD und Bündnis 90/Die Grünen geeinigt, dass Verlustvorträge künftig nur noch auf die Hälfte des erzielten Gewinns verrechnet werden dürfen, statt wie bisher auf den gesamten. Hatte in der Vergangenheit ein Unternehmen beispielsweise einen Verlust von einer Million Euro verbucht, im laufenden Jahr aber einen Gewinn von 500.000 Euro erzielt, so konnte der Verlust auf den gesamten Gewinn angerechnet und die Steuerlast damit gedrückt werden. Nach den Plänen der Koalition soll dies künftig nur noch auf die Hälfte des Gewinns möglich sein. (APA/Reuters)

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