Schlusslicht beim Riskokapital

16. Oktober 2002, 10:17
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Privater Geldfluss für Firmen in Österreich versiegt - Die Börsenkrise setzt dem Markt für Wagniskapital zu

Wien - Durch die lange Börsenbaisse hat es in den vergangenen zwei Jahren praktisch keine Neueinführungen an den Aktienbörsen gegeben. Dadurch ist auch der Markt für Wagniskapital - also Geldmittel aus privater Investorenhand, die zum Wachstum eines jungen Unternehmens auf beschränkte Zeit zur Verfügung gestellt werden - stark eingebrochen. Denn zurückgeholt haben sich die privaten Investoren in guten Börsenzeiten ihr Geld über lukrative Börsengänge der zuvor aufgepeppelten Firmen.

Angst vor Pleiten

Jetzt hemmt die Angst vor Pleiten und Fehlinvestitionen die Engagements. Für so genannte Start-ups bedeutet das, dass diese angesichts restriktiverer Kreditvergaben der Banken, niedriger Zinsen, Chancenlosigkeit auf Geld von den Aktienbörsen und des Mangels an Private Equity kaum noch an Geld kommen.

In Österreich wird diese Entwicklung besonders krass deutlich. Der Wagniskapitalmarkt ist hierzulande unterentwickelt und liegt etwa 70 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Mit knapp 0,08 Prozent (157 Mio. Euro) - gemessen am Bruttoinlandsprodukt - ist laut einer aktuellen Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) der Wert an privat vermitteltem Eigenkapital im Vorjahr weiter zurück gegangen.

Ein Problem für Junge

Untersucht hat das Wifo rund 30 heimische Beteiligungsgesellschaften. Diese haben 2001 etwa 18 Prozent weniger investiert. Noch stärker ausgetrocknet sind demnach die neu zugeführten Finanzmittel: Mit rund 137 Mio. € blieb das 2001 aufgebrachte Kapital weit unter dem Wert von 2000 (235 Mio. €). Bei derzeit - zwar stabilen - 173 Beteiligungen wurde das Volumen je Einzelfall aber deutlich zurückgefahren. "Das verdeutlicht die zunehmende Vorsicht bei Finanzierungsentscheidungen", resümiert Studienautor Michael Peneder. Dies sei vor allem für den Wirtschaftsbereich, in dem Österreich Mängel habe - nämlich innovative Gründungen -, ein großes Problem.

Österreich liegt mit der Verknappung der Finanzierungen im internationalen Trend. In Deutschland etwa ist eine Reihe von börsennotierten Wagniskapitalfirmen aus dem Markt gefallen, Private haben ihr Geld verloren. In Österreich ist Wagniskapital allerdings ein fast rein institutionelles Geschäft, das sich auf Investments von Versicherungen beschränkt.

Börsenkrise

Gerhard Grund, für Wagniskapital zuständiger Vorstand der Raiffeisen Centrobank (RCB), sieht das Problem beim Private Equity ausschließlich in der Börsenkrise. Abschichten via Aktienmarkt ist für die privaten Geldgeber unmöglich und wird es, so fürchtet Grund, "mindestens ein, zwei Jahre" auch noch bleiben. Besserung sieht er da nicht. Derzeit ziehen sich die Wagniskapitalgeber vorwiegend über Industrieverkäufe zurück. Diese sind aber nicht so lukrativ wie die einstigen Gewinne bei den Börseneinführungen.

Heilmittel gegen die Krise sind für Grund Kapitalgarantien. Die RCB arbeite derzeit an Produkten für große Privatinvestoren, die sich dem Wagniskapital verschreiben wollen, allerdings die eingesetzten Gelder garantiert verlangen. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe 16.10.2002)

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Wifo

RCB

  • Österreich steht bei privaten Geldquellen für Unternehmen als Schlusslicht in Europa da.
    foto: photodisc

    Österreich steht bei privaten Geldquellen für Unternehmen als Schlusslicht in Europa da.

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