Auch die männliche Fruchtbarkeit blüht nicht ewig

19. Oktober 2002, 17:58
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Genetische Schäden der Spermien korrelieren mit dem Alter - von 35 an geht's bergab

London - Die biologische Uhr tickt auch bei Männern und spielt für die Fruchtbarkeit eine ebenso große Rolle wie bei Frauen. Laut Forschern der University of Washington in Seattle startet der "Countdown" bereits in einem Alter von 35 Jahren. Dann beginnt routinemäßig der genetische Schaden bei Spermien, der zur männlichen Unfruchtbarkeit führt. Die Ergebnisse präsentierte die Studienleiterin Narendra Singh auf der Konferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin in Seattle.

Die Forschung konzentrierte sich oft darauf, wie sich die Qualität der weiblichen Eizellen mit dem Alter verschlechtert. Das US-Team hat nun erstmals eine molekulare Erklärung dafür geliefert, warum sich auch kinderlose "Karrieremänner" Sorgen machen sollten. Die Wahrscheinlichkeit ein Kind zeugen zu können, reduziert sich ab dem 35 Lebensjahr.

Das Sample

Singh untersuchte die Spermien von 60 Freiwilligen zwischen 22 und 60 Jahren; alle Männer hatten eine normale Spermienzahl. Männer in der älteren Altersgruppe hatten aber eine höhere Konzentration von Spermien mit gebrochenen DNA-Strängen. Auch das Immunsystem war mit steigendem Alter viel weniger effizient, um schadhafte Spermien für einen programmierten Zelltod (Apoptose) auszusortieren. Die Spermien älterer Männer waren auch weniger gewandte Schwimmer. Unabhängig von der Spermienanzahl, so Singh, steht die genetische Qualität der Spermien eng mit dem Alter in Verbindung. Der "Stichtag" für einen ernsthaften Schaden liegt um ein Alter von 35 Jahren.

Laut Forschern legen die Ergebnisse nicht nahe, dass Männer über 35 mit Sicherheit ein Problem mit dem Kinderwunsch haben werden. Insbesondere dann nicht, wenn die Partnerin zwischen 20 und 30 Jahre alt ist. Männer, die sich aber um ihre Fruchbarkeit Sorgen machen sollten allerdings Risikofaktoren wie Rauchen ausschalten. Rauchen kann zur Schädigung der Spermien-DNA führen. Gegen das Altern könne ein Mann zwar nichts machen; so gut es geht sollte aber der Kontakt mit giftigen Substanzen vermieden und ein gesunder Lebensstil bewahrt werden.

Der Trend geht zu älteren Vätern

Allein in Großbritannien ist die Zahl der Männer, die in einem Alter von über 40 Jahren erstmals Vater werden, seit den 90er-Jahren um die Hälfte gestiegen. 1999 wurde eines von zehn Kindern geboren, dessen Vater alter als 40 Jahre war. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Kinder mit "40plus-Vätern" um ein Drittel auf 42.000 pro Jahr gestiegen. Also sind Vaterfreuden in höherem Alter nicht ausgeschlossen. Beispiele sind Tony Blair, David Bowie und Mick Jagger. (pte)

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