"Iss was?!"

17. Oktober 2002, 08:43
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600 Neuerkrankungen an Magersucht jährlich - Frauengesundheits-
zentrum Isis entwickelte ein Präventionsprojekt gegen Essstörungen

Jedes Jahr ist bei Mädchen und jungen Frauen in Österreich mit über 600 Neuerkrankungen von Anorexie und mit über 900 Neuerkrankungen von Bulimie zu rechnen. Das heißt, jedes dritte Mädchen zeigt ein Mal im Leben Anzeichen einer Essstörung. Jede zehnte Magersucht-Patientin stirbt.

Insgesamt erkranken über 200.000 Österreicherinnen zumindest einmal in ihrem Leben an einer Essstörung. Frauen und Mädchen mit Essstörungen (Magersucht, Ess-Brech-Sucht, Adipositas) finden sich in allen gesellschaftlichen Schichten wieder. Familien, in denen Essstörungen auftreten, sind häufig auf sozialen Aufstieg bedacht und von starkem Leistungsdenken geprägt. Bislang waren wesentlich mehr Frauen als Männer von der Problematik betroffen. Es zeigt sich aber, dass zunehmend auch Männer/Burschen zu Betroffenen werden. Auch sie sind mittlerweile Zielgruppe eines perfektionistischen Körperkultes. Zu beachten ist auch, dass bei Kindern besonders die Adipositas zunimmt.

Mindestens 2.500 Mädchen leiden an Anorexia nervosa

Bezogen auf die österreichische Gesamtbevölkerung leiden von allen 15 bis 20 jährigen Mädchen mindestens 2500 Mädchen an Magersucht (Anorexia nervosa) und über 5000 Mädchen an subklinischen Essstörungen, d.h. an einer leichteren Verlaufsform. Unter den 20 – 30 jährigen Frauen sind nach Schätzungen mindestens 6.500 Frauen von Ess-Brech-Sucht (Bulimie) betroffen.

Jährlich wenden sich etwa 100 Frauen/Mädchen mit Essstörungen an das Frauengesundheitszentrum ISIS. Sie sind entweder Betroffene mit einem Beratungswunsch oder Angehörige, die mit dem Essstörungssymptom ihres Kindes, ihrer Partnerin/ Freundin relativ hilflos konfrontiert sind. Aufgrund dieser Nachfragen hat das Frauengesundheitszentrum ISIS ein Projekt zur Prävention von Essstörungen entwickelt, das vorige Woche vorgestellt worden ist.

Fortbildungslehrgang für LehrerInnen

"Ziele dieses Essstörungs-Präventionsprojektes an Salzburger Schulen ist es, Lehrerinnen und Lehrer darüber zu informieren, wie sie in ihre jeweiligen Unterrichtsfächer (Deutsch, Biologie, Geschichte, Religion/Ethik, Sport...), regelmäßig Übungen einbauen können, die sich mit den Ursachen und Hintergründen von Essstörungen auseinandersetzen und SchülerInnen in ihren Lebenskompetenzen stärken zu können.

Suchtprävention ist keine "einmalige Sache", sondern erfordert eine aktive Beteiligung und innere Haltung aller an der Erziehung beteiligten, um langfristig folgende Ziele zu erreichen:

  • Verbesserung und Stärkung des Selbstwertgefühls der Mädchen (und Burschen)

  • Förderung von Kritikfähigkeit und Selbstbehauptungsmöglichkeiten

  • Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie der Kooperationsbereitschaft und sozialen Kompetenz

  • Entwicklung eines positiven Körperbildes

  • Einflussnahme auf die Essgewohnheiten, d.h. mehr Bewusstheit und Individualität im Überangebot der Nahrungswelt

  • Essen mit Freude und Genuss

    "Iss was?!“ entstand in enger Zusammenarbeit mit Akzente/Suchtpräventionsstelle und dem avos (Arbeitskreis für Vorsorgemedizin) in Salzburg. Durch eine finanzielle Förderung des Clubs der Soroptimistinnen in Salzburg konnte die Projektentwicklung finanziert werden. Die vom Land Salzburg (Büro für Frauenfragen und Gesundheitsressort) im September 2002 zugesagte Förderung ermöglicht uns die Fortführung den Projektes. Im Mai 2002 führten ISIS an der Modellschule BORG/HAK Neumarkt/Wallersee das Projekt erstmals mit Erfolg durch. (red)

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      Adipositas - Fettsucht - zählt ebenfalls zu den Essstörungen.
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