USA ist auch zu "Zwei-Fronten-Krieg" bereit

15. Oktober 2002, 17:30
8 Postings

Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz: "Krieg bringt keinen Wirtschaftsboom"

Washington/Paris - Die USA werden nach den Worten von Präsident George W. Bush "nötigenfalls den Krieg gegen den Terrorismus an zwei Fronten führen". Der Irak sei "Teil des Krieges gegen den Terrorismus", sagte Bush in einer Rede in Michigan am Montagabend (Ortszeit), Saddam Hussein wolle das Terrornetzwerk El Kaida als "Vorauskommando" gegen den Westen einsetzen, um auf diese Weise keine eigenen Fingerabdrücke zu hinterlassen. "Das ist ein Mann, von dem wir wissen, dass er Verbindungen zu El Kaida hat", fügte Bush hinzu. Den jüngsten Terroranschlägen in Kuwait, Jemen und Indonesien liege das gleiche Muster zu Grunde. Die freie Welt müsse erkennen, dass niemand sicher vor Terrorismus sei.

Kriegsentscheidung sei keine "erste Wahl"

Bush hat einen Angriff auf den Irak als seine "letzte Wahl" bezeichnet. Seine "erste Wahl" sei es, dass der irakische Machthaber Wort halte und sich nach elf Jahren tatsächlich entwaffnen lasse. "Eine Militäroption ist meine letzte Wahl", fügte er hinzu. In Paris erklärte unterdessen der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer, ein durch eine US-amerikanische Militärintervention herbeigeführter Regimewechsel im Irak werde "dem Nahen Osten Stabilität bringen". "Eine amerikanische Aktion gegen dieses Land wird sich positiv auswirken, denn sie wird eine neue Ordnung schaffen und die Region stabilisieren", versicherte der israelische Politiker. Neben dem Irak und dem Iran zählte Ben-Eliezer auch Syrien zu der so genannten "Achse des Bösen", in die Bush den Irak, den Iran und Nordkorea eingereiht hatte.

Mahathir: USA soll "Staatsterroristen" Israel angreifen

Die mögliche Herstellung von Atomwaffen durch den Irak rechtfertigt nach Ansicht des malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir Mohamad noch keinen US-Angriff auf das Land. "Wenn man ein Land nur wegen seiner Möglichkeiten angreift, dann wird jedes Land angegriffen werden", sagte Mahathir am Dienstag vor JournalistInnen in der Hauptstadt Kuala Lumpur. Stattdessen sollten die USA Israel angreifen, auf das jedoch kein Druck ausgeübt werde, seine Atomwaffen zu vernichten. Mahathir hatte Israel wiederholt Staatsterrorismus vorgeworfen. Dieser müsse in den internationalen Kampf gegen den Terrorismus einbezogen werden.

Saudiarabien verweigert Unterstützung

Der saudiarabische Verteidigungsminister Prinz Sultan bin Abdulaziz hat klargestellt, dass die USA bei einem Angriff auf den Irak nicht mit der Unterstützung seines Landes rechnen können. "Das Königreich wird keine Unterstützung für welchen Angriff auch immer auf den Irak leisten", erklärte der Prinz. Als Hüterin der heiligen Stätten Mekka und Medina habe Saudiarabien eine besondere Stellung in der moslemischen und arabischen Welt, die es zu verteidigen gelte. Zugleich drängte Prinz Sultan den Irak, "niemandem die Gelegenheit zu geben, eine Militäroffensive zu rechtfertigen".

Frankreich besteht auf UN-Mandat

Die französische Regierung will einen Militäreinsatz gegen den Irak ohne ein vorheriges Mandat der Vereinten Nationen "nicht akzeptieren". Der Einsatz militärischer Gewalt komme nur als "letztes Mittel" und auf gesicherter rechtlicher Grundlage in Frage, sagte Premierminister Jean-Pierre Raffarin am Montag bei einem verteidigungspolitischen Treffen in Paris. Die US-Regierung scheine versucht zu sein, ihre Macht "in Einsamkeit" einzusetzen, fügte Raffarin hinzu. Frankreich wünsche aber, dass Washington eine kollektive Sicherheit auf der Grundlage des Rechts anstrebe.

Negative Folgen für die Weltwirtschaft

Ein Krieg gegen Irak würde nach Einschätzung des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz "sehr negative" Folgen für die Weltwirtschaft haben. Wer auf einen Wachstumsboom durch den Krieg hoffe, werde enttäuscht werden, sagte Stiglitz am Rande des World Knowledge Forum in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul am Dienstag. Der demokratische US-Kongressabgeordnete Jim McDermott hat die Regierung Bush davor gewarnt, "die Welt aus Streben nach Öl, Macht oder in imperialer Verblendung ins Verderben zu führen" . Der designierte Friedensnobelpreisträger Ex-Präsident Jimmy Carter hatte erklärt, die US-Regierung scheine unbehinderte UNO-Inspektionen im Irak offenkundig gar nicht zu wollen. Die Vereinigten Staaten isolierten sich immer mehr "von den Nationen, die wir brauchen, um den Terrorismus zu bekämpfen", warnte Carter. (APA/Reuters)

Share if you care.