Drakonische Strafen im Prozess um Contrin-Gruppe

15. Oktober 2002, 14:55
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Je neun Jahre Haft für Manager Stefan Mirkovich-Palatin und Johann Schmid

Wien - Mit drakonischen Strafen ist am Dienstagnachmittag im Wiener Straflandesgericht der Prozess um die Contrin-Gruppe zu Ende gegangen. Stefan Mirkovich-Palatin (49), der Gründer der weit verzweigten Firmengruppe, und Johann Schmid (53), seit 1986 Geschäftsführer, wurden jeweils zu neun Jahren Haft verurteilt. Unmittelbar nach der Urteilsverkündung ließ Richter Hans-Peter Januschke die beiden wegen Fluchtgefahr in U-Haft nehmen. Die Justizwache nahm die Manager unter dem Applaus von einigen geschädigten Anlegern, die den seit Anfang Oktober laufenden Prozess als Zuhörer verfolgt hatten, noch im Gerichtssaal in Empfang.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig, die Verteidiger Herbert Eichenseder und Manfred Ainedter meldeten dagegen Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an. Ein mit angeklagter prominenter Wirtschaftsanwalt, der bei der Contrin-Gruppe als Rechtsberater tätig gewesen war, wurde hingegen mangels eines Schuldnachweises freigesprochen.

Undurchsichtige Geschäfte

In dem seit mehreren Jahren gerichtsanhängigen Verfahren war es um die undurchsichtigen Geschäfte der Contrin-Gruppe gegangen, die sich aus Dutzenden Gesellschaften zusammen setzte und vor allem mit Eisenbahn-, Flugzeug- und Schiffscontainern handelte. Finanzkräftigen Anlegern wurden rentable Leasingverträge und ein Steuer schonendes Verlustbeteiligungsmodell schmackhaft gemacht, das Renditen jenseits von 14 Prozent versprach. 1996 schlitterte das Firmengeflecht in die endgültige Pleite, nachdem - so zumindest der zuständige Staatsanwalt Gernot Orasche - die Anleger über die wahre Verwendung ihrer investierten Beträge getäuscht worden waren.

Statt Container anzukaufen sollen die Gelder "verschoben", d.h. entgegen getroffener Vereinbarungen für Darlehen oder andere Beteiligungen verwendet worden sein. Man habe nur "Phantomcontainer" verkauft, so die Anklagebehörde. Auch in private Kanäle dürften die Gelder geflossen sein. Insgesamt mussten sich rund 4.500 Anleger mit einem Gesamtverlust von knapp 73 Mill. Euro abfinden.

Gewerbsmäßiger Betrug

Der Contrin-Gründer Stefan Mirkovich-Palatin wurde nun wegen Untreue und schweren gewerbsmäßigen Betrugs mit einem Schaden von über 4,4 Mill. Euro schuldig erkannt. Bei Johann Schmid, der ursprünglich als Buchhalter begonnen hatte, erkannte der Senat auf Untreue mit einem Schaden von über 10,9 Mill. Euro, wobei der Vorsitzende sinngemäß anmerkte, dieser sei in Wahrheit nur der Handlanger von Mirkovich-Palatin gewesen. Dieser habe mit den Anlegergeldern "finanzielle Löcher gestopft, weil keine Firmengelder mehr vorhanden waren". Zudem ortete Januschke "Privatkonsumationen" und "private Aufbesserungen, um den Lebensstandard aufzudoppeln und abzusichern". So habe der 49-Jährige mit einem Schlag umgerechnet 2,46 Mill. Euro "in seinen Privatbereich umgeleitet", formulierte der Richter.

Schock

Die Höhe ihrer Freiheitsstrafen und vor allem ihre Verhaftung nahmen die beiden Männer geschockt zur Kenntnis. "Ich bin entsetzt", stammelte Schmid. Mirkovich-Palatin, der in dieser Sache bereits acht Monate in U-Haft gesessen war, zuletzt aber in London wieder erfolgreich seinen Geschäften nachging, bemerkte: "Ich ersuche, mich freizulassen!" Er sei schon ein Mal "zu Unrecht hier fest gehalten worden". Er habe kein Interesse, Österreich zu verlassen: "Ich war immer ordentlich."

Das Gericht begründete die Verhängung der U-Haft mit Fluchtgefahr: "Beide würden bei der ausgemessenen Strafe aus dem Bundesgebiet flüchten und sich ins Ausland absetzen."(APA)

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