Khatami: Kurden-Staat im Nordirak Gefahr für die ganze Region

15. Oktober 2002, 13:21
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Iran warnt vor Sezessionsbewegungen

Istanbul - Der iranische Staatspräsident Mohammad Khatami hat vor der Errichtung eines Kurden-Staates im Nordirak als Konsequenz eines US-amerikanischen Militärschlages gegen das Regime in Bagdad gewarnt. Ein derartiger "ethnischer Staat" wäre eine "Gefahr für die ganze Region", erklärte Khatami am Dienstag laut einer Meldung der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi (AA) bei der Gipfelkonferenz der Zentralasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft in Istanbul. Kurdische Minderheiten lebten in der Türkei, dem Irak, Syrien und dem Iran, hob Khatami hervor; es gehe nicht an, dass es zu Sezessionsbewegungen komme.

Der iranische Präsident äußerte sich nach Unterredungen mit dem tadschikischen Staatsoberhaupt Emomali Rachmonow und dem afghanischen Staatschef Hamid Karzai. Der Nordirak ist seit dem Ende des Golfkrieges 1991 der Kontrolle der Regierung in Bagdad entzogen. Die Provinzen Arbil, Suleimaniya und Dohuk werden von der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) von Massud Barzani und der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) von Jalal Talabani kontrolliert. Die PUK beherrscht den östlichen Teil an der Grenze zum Iran, die KDP das Grenzgebiet zur Türkei. Das Gebiet spielt bei den Überlegungen amerikanischer Militärplaner für einen möglichen Angriff auf den Irak eine große Rolle. Barzanis KDP hatte mit dem türkischen Militär bei der Bekämpfung der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) kooperiert.

Die Anführer der beiden bisher verfeindeten Kurdengruppierungen im Nordirak haben vor zwei Wochen ihre Versöhnung besiegelt. Barzani und Talabani verständigten sich auf die Wiedereinsetzung des gemeinsamen kurdischen Parlaments, das derzeit in Arbil tagt. (APA)

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