Island stimmt sich selbst ins Gremium zurück

16. Oktober 2002, 10:24
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IWC-Mitgliedschaft wiedererlangt, ohne Verbot des kommerziellen Walfangs zu akzeptieren - Schweden hat sich vertan

Cambridge - Von einem Knalleffekt am ersten Tag des Sondertreffens der Internationalen Walfangkommission berichtet die Umweltorgnisation Greenpeace: Island wurde demnach mit einer einzigen Stimme Mehrheit als Vollmitglied aufgenommen, ohne jedoch das zurzeit gültige Verbot des kommerziellen Walfangs zu akzeptieren. - Und diese Stimme kam von ihm selbst: Island durfte über seine Aufnahme mitstimmen.

"Die Entscheidung, Island den Wiederbeitritt zur IWC ohne die Zustimmung zum Walfang-Moratorium zu erlauben, untergräbt die Glaubwürdigkeit der Kommission. Mit dieser Entscheidung wird ein Präzedenzfall gesetzt. Was hält andere Länder jetzt noch davon ab, die IWC zu verlassen und nach Belieben mit Vorbehalten gegen Entscheidungen wieder beizutreten?" befürchtet nun Greenpeace-Meeresexpertin Nina Thüllen.

Immerhin konnte auf dem Sondertreffen Einigkeit über den strittigen Punkt des Walfangs durch indigene Völker Russlands und Nordamerikas erzielt werden. Ihnen wurden wieder (niedrige) Fangquoten für den Eigenbedarf zugebilligt, was Japan bei der großen Konferenz in Shimonoseki blockiert hatte. Der Versuch einer Verknüpfung mit einer kommerziellen Quote von 50 Minkewalen für Japan wurde abermals abgelehnt.

Schweden hat "versehentlich" gestimmt

Das schwedische Umweltministerium erklärte am Dienstag, es habe versehentlich für eine Wiederaufnahme Islands gestimmt und versuche, den Fehler zu korrigieren.

Zeitdruck, ein kompliziertes Abstimmungsverfahren und das allgemeine Durcheinander während der Tagung seien für den Fehler verantwortlich, sagte eine Sprecherin des schwedischen Umweltministeriums. Schweden sei nach wie vor dagegen, dass Island wieder Mitglied der Walfangkommission werde.

Island war 1991 aus der Kommission ausgetreten, weil es deren 1986 verhängtes Walfangmoratorium ablehnte. Die Regierung in Reykjavik hat sich nunmehr verpflichtet, den kommerziellen Walfang bis mindestens 2006 gänzlich einzustellen. Bis dahin hoffe man auf eine Revision des Moratoriums, hieß es. Nach isländischer Darstellung ist die Population der Zwerg- und Finnwale in seinen Gewässern so stark gestiegen, dass ein kontrollierter Walfang gerechtfertigt sei.

Australien protestierte scharf gegen die Wiederaufnahme Islands. Die Position der Naturschützer innerhalb der Kommission werde dadurch geschwächt, beklagte Umweltminister David Kemp. Der Internationale Tierschutz-Fonds warnte Island, dass eine neuerliche Jagd auf Wale seinen eigenen Interessen schaden würde. "Jedes Jahr kommen 60.000 Walfreunde nach Island, um dort die Meeressäuger vor den Küsten zu beobachten. Dieser Tourismuszweig könnte durch erneuten Walfang gefährdet werden", erklärte der Verband in Hamburg. (APA, red)

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