UNO-Tribunal reduziert Anklage gegen Karadzic um 25 Punkte

15. Oktober 2002, 12:19
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Gerichtshof erhofft sich dadurch mehr Effektivität

Sarajewo/Banja Luka - Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat die Anklage gegen den ehemaligen Präsidenten der Republika Sprska, Radovan Karadzic, deutlich gestrafft. Wie Medien in Bosnien-Herzegowina am Dienstag meldeten, habe das Tribunal bereits am 11. Oktober zwei bestehende Anklagen gegen Karadzic zusammengeführt und die Gesamtanzahl der Anklagepunkte von 36 auf elf reduziert. Allerdings sei damit die Anklage tatsächlich nur gestrafft worden, die wichtigsten Anschuldigungen blieben bestehen.

Karadzic wird weiterhin des Genozids, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt, die Vertreibungen, Morde und Progrome auf politischer, rassischer und religiöser Grundlage beinhalten. Des weiteren werden dem meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher etwa schwere Verletzungen der Genfer Konvention, Terror an Zivilisten und Geiselnahme vorgeworfen. Neu in der Anklage sei hingegen der Punkt "Mittäterschaft am Genozid", meldete die in Banja Luka erscheinende Zeitung "Nezavisne novine" am Dienstag.

"Effektivität im Verfahren"

Als Grund für diese Änderungen habe das Tribunal "Effektivität im Verfahren" angeführt. Obwohl die neue Anklageschrift um 25 Punkte reduziert wurde, sei sie "um nichts leichter als die beiden vorangegangenen", berichtete die Zeitung. Die erste Anklage gegen Karadzic wurde Ende Juli 1995 erhoben und bezog sich auf den Krieg in ganz Bosnien-Herzegowina. Die zweite Anklage erfolgte Mitte November 1995 und bezog sich nur auf die Ereignisse in Srebrenica, bei denen nach internationalen Angaben bis zu 8.000 Moslems ermordet wurden.

Als interessantes Detail führte "Nezavisne novine" an, dass gegen den ehemaligen bosnisch-serbischen Oberbefehlshaber Ratko Mladic weiterhin zwei Anklagen bestehen würden. Die "Konsolidierung von Anklagen" sei übrigens eine "oftmalige Praxis" des Haager Tribunals. So sei vor kurzem die Anklage gegen Dragan Nikolic, den Ex-Kommandanten eines Lagers, von 80 auf acht Punkte reduziert worden. Von diesen acht Punkten sei allerdings jeder einzelne ausreichend, dass der Angeklagte die Höchststrafe erhalten könnte, schrieb "Nezavisne novine". (APA)

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