"In Wien kommen Frauen weiter"

16. Oktober 2002, 13:56
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Die waff-Infokampagne im Sinne von Gender Mainstreaming wurde präsentiert

Wien - Trotz der erfreulichen Trendwende am Wiener Arbeitsmarkt - bei der Frauenarbeitslosigkeit gab es im September erstmals einen Rückgang um 4,4 Prozent gegenüber dem Vormonat - sei eine noch stärkere Konzentration auf Frauen, und da besonders auf Wiedereinsteigerinnen notwendig, betonten Sepp Rieder und Renate Brauner anlässlich des am Dienstag präsentierten Wiener Frauen-Arbeitsmarktpakets. Unter dem Motto "Wien lässt die Frauen nicht im Stich" wurde ein umfassendes Bündel an Maßnahmen des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) vorgestellt.

Wien hat höchste Frauenerwerbsquote

Die Situation der Frauen am Wiener Arbeitsmarkt stellt sich in Relation zu den anderen Bundesländern vergleichsweise positiv dar. Im September 2002 waren in Wien 365.000 Frauen beschäftigt. Mit 71 Prozent hat Wien die höchste Frauenerwerbsquote in Österreich. Im nationalen Vergleich sind 59 Prozent der Frauen zwischen 15 und 65 berufstätig. Auch bei den Frauen-Einkommen liegt Wien mit 1.392 Euro an der Spitze der Bundesländer, und die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern ist mit 25 Prozent zwar geringer als im österreichischen Gesamtdurchschnitt mit 33 Prozent, bleibt aber Anlass für Handlungsbedarf. "Obwohl diese Erfolge das Ergebnis einer konsequenten Frauen- und Arbeitsmarktpolitik sind, bleibt die Reduzierung von noch immer bestehenden Benachteilungen von Frauen am Arbeitsmarkt ein zentrales Thema", waren sich Rieder und Brauner einig.

Schwierig: Wiedereinstieg ins Erwerbsleben

Eine Synthesis-Studie vom Februar 2000 zum Thema "Gelingt Frauen der Beschäftigungseinstieg nach der Karenz?" zeigt, dass etwa ein Drittel der 70.300 Frauen, die im Laufe des Jahres 1999 in Österreich ihren Karenzgeldbezug beendet haben, nicht in der Lage waren, ihre Erwerbstätigkeit fortzusetzen. Wichtigste Kriterien für einen erfolgreichen Wiedereinstieg sind eine entsprechende (Weiter-) Qualifizierung und das Vorhandensein von adäquaten Kinderbetreuungseinrichtungen. Die von der Bundesregierung in diesem Bereich gesetzten Maßnahmen waren nicht nur unzureichend, sondern kontraproduktiv. Die Abschaffung der Bildungskarenz und der Kindergartenmilliarde sowie die Einführung eines Kinderbetreuungsgeldes bei mangelndem Kündigungsschutz, sind dazu angetan, Frauen tendenziell vom Arbeitsmarkt zu verdrängen.

Aktive Arbeitsmarktpolitik für Frauen

So sind etwa im Arbeitsprogramm für 2003 erstmals alle waff-Maßnahmen und -initiativen im Sinne des Gender Mainstreaming geprüft worden. Die Bilanz kann sich sehen lassen: rund 60 Prozent aller vom waff unterstützten Personen sind Frauen, 60 Prozent der eingesetzten finanziellen Mittel kommen Frauen zugute. Insgesamt werden 2003 voraussichtlich rund 9.800 Frauen von den Angeboten des waff profitieren. Neben der durchgängigen Berücksichtung frauenspezifischer Anliegen in allen Maßnahmen bietet der waff auch weiterhin Programme an, die sich ausschließlich an Frauen wenden. Das Angebot reicht von der Beratung von Mädchen über die Unterstützung von Wiedereinsteigerinnen bis zur Förderung der beruflichen Weiterbildung.

600.000 Euro für neues Programm "Wieder-in"

Zur Unterstützung von Wiedereinsteigerinnen wird ab Anfang nächsten Jahres ein neues und zusätzliches Programm angeboten. "Wieder-in" eröffnet für die Rückkehr in den Beruf bessere Chancen. Es ist für Personen offen, die nach längeren Berufsunterbrechungen aufgrund von Betreuungspflichten einen beruflichen Wiedereinstieg anstreben. Diese werden bei ihrer Karriere-Planung gecoacht, ihre maßgeschneiderte Weiterbildung wird finanziell gefördert und ihr beruflicher Wiedereinstieg durch Bewerbungstraining unterstützt. Der Zuschuss zu den Weiterbildungskosten kann bis zu 3.700 Euro betragen. Insgesamt stehen für das Programm 600.000 Euro zur Verfügung.

waff "Frauen-Herbstkampagne"

Um die vielen guten und sehr erfolgreichen Maßnahmen des waff auch an die "Frau zu bringen", hat der waff im Oktober eine Info-Offensive gestartet. Ziele der Kampagne sind die Sensibilisierung von Frauen für den Stellenwert von Weiterbildung am Arbeitsmarkt, Erhöhung des Bekanntheitsgrades der zahlreichen Maßnahmen des waff, und die Bewusstseinsbildung, dass Frauen am Wiener Arbeitsmarkt faire Chancen vorfinden. Im Rahmen dieser Herbstkampagne wurde ein Frauen-Infofolder in einer Auflage von 10.000 Stück produziert. Er bietet erstmals eine Zusammenfassung aller waff-Angebote und -Maßnahmen rund um das Thema Beruf, Weiterbildung und Arbeitssuche, aber auch anderer Beratungsstellen sowie frauenrelevanter Institutionen der Stadt Wien.

Frech - Bilanz einer erfolgreichen Maßnahme

Für die im Frühjahr gestartete Initiative "Frech" (Frauen ergreifen Chancen) kann bereits eine erfreuliche Zwischenbilanz gezogen werden. Das Angebot, das sich vor allem an berufstätige Frauen mit Veränderungsabsichten richtet, ist in den wenigen Monaten bereits intensiv genutzt worden.

Von Mitte April 2002 bis Ende September nahmen 422 Frauen eine persönliche Beratung in Anspruch. Davon sind 53 Prozent berufstätig, 37 Prozent arbeitssuchend und 10 Prozent Wiedereinsteigerinnen.

Nach einer intensiven Klärungsphase erhielten bisher 85 Frauen Förderungen für Weiterbildungen. Diese ermöglichen einerseits Höherqualifizierungen z.B. von der Abteilungsgehilfin zur Pflegehelferin, andererseits berufliche Neuorientierungen z.B. von der Bürokauffrau zur Marketingassistentin. (red)

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