"Wetterfühligkeit": Zwei Drittel der Bevölkerung sind betroffen

15. Oktober 2002, 13:27
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Am stärksten diejenigen, die sich ungesund ernähren, wenig bewegen und unter hohem Stress stehen

Wien - Keine Krankheit an sich, doch ein Phänomen, das andere Krankheiten zu verschlimmern scheint: Fast zwei Drittel der Bevölkerung fühlen sich in ihrer Gesundheit vom Wetter beeinflusst. Das Klima in Mitteleuropa scheint die körperlichen Unpässlichkeiten, die unter der Bezeichnung "Wetterfühligkeit" zusammengefasst werden, zu bestärken. Frauen sind laut Studien bis zu drei Mal häufiger betroffen als Männer, als Grund werden Hormone vermutet.

Der Verursacher - das Wetter: Anhaltender Regen, Föhn, Tiefdruck, Kälte, Hitze oder Wetterumschwünge lösen die Beschwerden aus. Schuld könnten aber auch "Spherics" sein , kurze elektromagnetische Impulse, die in der Atmosphäre entstehen, wenn sich Luftmassen aneinander reiben und elektrisch entladen. Inwieweit sie wirklich für Wetterfühligkeit verantwortlich sind, ist derzeit Untersuchungsgegenstand zahlreicher Forschungsprojekte.

Wie es sich äußert

Die Symptome sind höchst verschieden und reichen von depressiven Verstimmungen über Schlafstörungen, Müdigkeit und Konzentrationsschwächen bis zur akuten Verschlechterung von Herz-Kreislauferkrankungen.

"Am häufigsten werden Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Schwindel von den Betroffenen angegeben", weiß Dr. Alois Machalek von der Wiener Magistratsabteilung Gesundheitswesen (MA 15). "Aber auch rheumatische Beschwerden und psychische Probleme können wetterbedingt auftreten."

Die "Medizinmeteorologie" kennt drei Arten des Wechselspiels zwischen Wetter und Mensch:

1. Die Wetterreaktion, das ist die physiologische Antwort auf atmosphärische Umweltreize. Zur Erhaltung der Kerntemperatur des Körpers wird ununterbrochen Wärme gebildet, aufgenommen oder abgegeben. Das nimmt der gesunde Mensch nur war, wenn er besonders stark friert oder schwitzt. Sonst laufen diese Körperreaktionen unbemerkt über Stoffwechsel und Kreislauf ab.

2. Wetterfühlig ist ein Mensch, der seine Körperreaktionen auf das Wetter stärker als andere subjektiv wahrnimmt. Schuld ist vermutlich eine Fehlbalance - z.B. eine niedrigere Reizschwelle - im vegetativen Nervensystem.

3. Wetterempfindlich kann man im Lauf seines Lebens durch Krankheiten oder Verletzungen werden; z.B. Narben- und Amputationsschmerzen.

"Risikogruppen"

Besonders betroffen sind laut Forschung Menschen mit Übergewicht, solche, die kaum Sport und wenig Bewegung an der frischen Luft betreiben und die stark Stress ausgesetzt sind. Weitere Risikofaktoren sind ein Übermaß an Nikotin- und Alkoholkonsum sowie Medikamenteneinnahme. Wetterfühligkeit kann verstärkt nach Operationen bzw. im Zusammenhang mit Grundleiden wie Asthma, Diabetes, Herzkrankheiten oder Rheuma auftreten.

Das weit verbreitete Phänomen beeinträchtigt das Wohlbefinden, teilweise sogar beträchtlich. Es wird aber nicht ausdrücklich zu den krankhaften Beschwerden gezählt, genauso wenig wie Ermüdungserscheinungen, Hunger- und Durstgefühle, See- und Luftkrankheit oder Schwangerschaftsbeschwerden.

Wetterbedingte Beschwerden ähneln zwar in ihren Symptomen "normalen" Krankheiten. Es liegen jedoch keine krankhaften organischen Veränderungen festgestellt vor. Betroffene sind trotzdem keine Simulanten.

Beispiele für "Wetterfühligkeit":

  • Kopfschmerzen und Migräneattacken treten vermehrt bei Föhn auf.
  • Regenwetter kann Verstimmungen, Gelenkschmerzen und Blutdruckprobleme verursachen.
  • Erschöpfung und Müdigkeit werden oft mit schwülem Wetter in Verbindung gebracht.
  • Nebel bringt oft eine akute Bronchitis so richtig zum "Blühen" - hohe Luftfeuchtigkeit und Kälte reizen die Schleimhäute.
  • Rheuma-Patienten leiden besonders unter hoher Luftfeuchtigkeit und fallendem Luftdruck sowie bei Temperaturabfällen Schmerzen.

Was Abhilfe verschafft

Viele "Wetterleiden" werden als Anzeichen eines geschwächten Organismus angesehen. Der Körper ist nicht ausreichend in der Lage, sich den atmosphärischen Veränderungen anzupassen. Hier setzen auch die empfohlenen Therapiemaßnahmen an. Vor einer Behandlung mit Medikamenten raten Ärzte ab. Besser sei es, vorzubeugen und den Körper abzuhärten, sich den Wetterreizen bewusst auszusetzen.

Dazu gehört vor allem Bewegung an der frischen Luft, auch wenn es kalt ist - in angemessener Bekleidung. Experten raten weiters zu autogenem und Biofeedback-Training oder Qi-Gong, Kneippkuren (Wechselduschen), unter Umständen können auch regelmäßige Saunabesuche und Moorpackungen helfen. Auch eine Ernährungsumstellung (viel Obst, Gemüse, Vollkorn) und Homöopathie können Erleichterung bringen.

Rest eines alten Schutzreflexes?

Der Erforschung der Zusammenhänge zwischen dem Wetter und dem menschlichen Körper dient die Medizin-Meteorologie. Ihre Experten glauben, dass es sich bei Wetterfühligkeit um einen "übrig geblieben" Schutzreflex handelt, der in seiner Frühzeit den Menschen vor Wetterumschwüngen warnte. (APA/red)

Die Wiener Gesundheitsberatung (1., Neutorgasse 15,) bietet Wetterfühligen kostenlos Hilfe beim Wiener Gesundheitstelefon 01/533-28-28
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