300 entdeckt, aber erst 100 identifiziert

17. Oktober 2002, 09:54
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Permanente Gammastrahler können vieles sein: von Pulsaren bis zum Galaxienkern

Darmstadt - Seit die ersten Gamma-Strahlen aus dem Kosmos in den sechziger Jahren entdeckt wurden, haben die Astronomen rund 300 astronomische Quellen registriert, die permanent elektromagnetische Wellen im Gamma-Bereich ausstrahlen. "Erst von etwa 100 wissen wir, worum es sich dabei handelt, von den restlichen 200 hat man noch keine Ahnung, was dahinter steckt", erklärte Volker Schönfelder vom Max Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei der Präsentation des "Gamma-Strahlen-Jägers" Integral, dem neuen Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation ESA, der am Donnerstag ins All gestartet ist.

Der Großteil der 100 bekannten Gammaquellen, etwa 90 Prozent, sind nach Angaben des Forschers:

- Aktive Galaxienkerne: Viele Galaxien haben ein massives schwarzes Loch in ihrem Zentrum, mit einer millionen- bis milliardenmal so großen Masse wie unsere Sonne. Während Materie wie in einem Strudel um dieses schwarze Loch kreist, ehe sie von diesem aufgesaugt wird (ähnlich dem Wasser eines Waschbeckens, aus dem man den Stöpsel zieht), wird hochenergetische Röntgen- und Gammastrahlung freigesetzt. Als weitere Möglichkeiten kommen in Frage:

- Pulsare: Das sind rotierende Neutronen-Sterne mit einer nicht viel größeren Masse unserer Sonne, die aber auf einen Durchmesser von 20 Kilometer zusammengequetscht ist. Ein Löffel voll Materie eines solchen Neutronen-Sterns wäre auf der Erde 100 Millionen Tonnen schwer.

- Doppel-Sternsysteme: Doppelsternsysteme, die Röntgen- und Gammastrahlen freisetzen, bestehen aus einem normalen Stern und einem Neutronen-Stern oder einem stellaren schwarzen Loch (dieses besitzt noch dichter gepackte Materie und damit eine noch höhere Gravitation als ein Neutronen-Stern), die einander umkreisen. Dabei wird ständig Materie vom normalen Stern in sein viel schwereres Gegenstück abgesaugt.

- Supernovae: Dabei handelt es sich um die Explosion am Ende der Lebenszeit eines Sterns. Ein großer Teil der dabei freiwerdenden Energie wird in Form von Gamma-Strahlen abgegeben. Auch die Überreste einer Supernova können noch im Gamma-Bereich strahlen.

- Gamma-Blitze: Dabei handelt es sich nicht um eine permanente Quelle von Gamma-Strahlen, sondern einen kurzen, plötzlichen und sehr heftigen Ausbruch von Gamma-Strahlen. Diese "Gamma-Bursts" - bisher wurden rund 2.500 dieser nur wenige Sekunden dauernden Ereignisse registriert - sind die geheimnisvollsten astronomischen Erscheinungen und dürften Zeugen der gewaltigsten Ereignisse im Kosmos sein. Die Wissenschafter vermuten, dass sie durch die Kollision zweier Neutronen-Sterne oder zweier schwarzer Löcher bzw. durch extrem starke Supernovae, so genannte Hypernovae, entstehen. (APA)

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    foto: nasa
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