Gusenbauer holt Broukal

16. Oktober 2002, 15:22
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"Modern Times" in der SPÖ: ORF-Moderator auf Platz neun der Bundesliste - Ministeramt nicht ausgeschlossen - Wilde Attacken der FPÖ

Mit Josef Broukal holt SP-Chef Alfred Gusenbauer einen der bekanntesten TV-Moderatoren des Landes als Quereinsteiger in sein Team. Für Broukal bildet die SPÖ eine "Zukunftsperspektive, die das Land nach zwei verlorenen Jahren" brauche.

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Wien - "Unsere Kandidatenliste beweist, dass wir nicht nur das bessere Programm, sondern auch das bessere personelle Angebot haben."

SP-Chef Alfred Gusenbauer dachte gar nicht daran, seinen Stolz über die jüngste Akquisition für sein Team zu verbergen. Mit dem 55-jährigen "ZiB"-Moderator Josef Broukal hat die SPÖ einen der prominentesten Journalisten des Landes an Bord geholt. "Mit seiner Kompetenz, Austrahlungskraft und Persönlichkeit steht er für ,Modern Time' in Österreich", streute Gusenbauer dem "couragierten Citoyen" in Anspielung auf dessen TV-Sendung Rosen. Broukal bedankte sich artig, indem er die Blumen zurückgab: Es sei die SPÖ Gusenbauers, die für Leute wie ihn oder Wolfgang Petritsch interessant sei, "weil sie eine Zukunftsperspektive bildet, die Österreich nach diesen zwei verlorenen Jahren braucht".

Dass seine Unabhängigkeit als Journalist durch sein Engagement für die SPÖ nun nachträglich infrage gestellt sei, wies Broukal zurück: "Ich selbst war bei einigen meiner früheren Kollegen wie Theresia Zierler und Hans-Jörg Schimanek überrascht, als sie sich zur FPÖ bekannten. Ebenso hätte ich nicht gewusst, wem Ursula Stenzel politisch zuzuordnen ist, weil sie alle als ORF-Journalisten objektive Arbeit geleistet haben. Das nehme ich auch für mich in Anspruch." Broukal, der die SPÖ 1985 aus Zorn über ihr Schweigen in der Affäre Frischenschlager-Reder verlassen hatte - der FP-Verteidigungsminister hatte den verurteilten Kriegsverbrecher per Handschlag begrüßt - hält noch immer nichts von Parteibuchwirtschaft. Auf seine "mangelnde Hausmacht" in der SPÖ angesprochen, meinte Broukal, er strebe bestenfalls eine "intellektuelle Hausmacht" an. Dass ihm dabei ein Ministeramt winken könnte, schließt er nicht aus.

Reaktionen von FPÖ und ÖVP

Während die ÖVP den Wechsel Broukals eher zurückhaltend kommentierte, reagierte die FPÖ mit wilden Attacken. Broukal sei "endlich dort, wo er hingehört", meinte Generalsekretär Karl Schweitzer. Nun könne er "unverhohlen seine sozialistischen Standpunkte vertreten". Kärntens FP-Obmann Martin Strutz sieht die Kritik seiner Partei am ORF nachträglich bestätigt, Broukal verlagere den SP-Wahlkampf vom ORF auf die Straße. "Mit Broukal, André Heller, dem Skandalregisseur Peter Kern formieren sich unter dem Moskauer Bodenküsser Gusenbauer jene extrem linken Kräfte in Österreich, denen dieses Land und seine positive Entwicklung unter der FP-VP-Regierung schon immer ein Dorn im Auge war", formulierte Strutz in einer Aussendung.

VP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat gab sich entspannter. Broukal sei in erster Linie als TV-Moderator bekannt, in der Politik müsse er sich erst beweisen: "Auch prominente Köpfe können das fehlende Programm der SPÖ nicht ersetzen." (kob/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2002)

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    ORF-Moderator Josef Broukal kandidiert für die SPÖ

  • Gusenbauer präsentiert seinen neuen Quereinsteiger
    foto: standard/cremer

    Gusenbauer präsentiert seinen neuen Quereinsteiger

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