Haltbares Glück

15. Oktober 2002, 10:19
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Milchkaffee, na von mir aus. Aber mit Haltbarmilch ­ nö, muss echt nicht sein!

Amerikanischer Milchkaffee ist über den Umweg der italienischen Bezeichnung "Caffelatte" nun also auch bei uns einigermaßen hipp geworden. Soll sein, ich mag ihn trotzdem nicht, schätze den Kaffee immer noch in seiner pursten, und daher italienischsten Art, nämlich als Espresso, sprich: mitteldunkel geröstet, fein gemahlen, stark gepresst und mit hohem Druck zwischen 25 und dreißig Sekunden extrahiert. Wenn's geht, auch nur aus reinsortigen Arabica-Bohnen, aber das eine oder andere Prozent Robusta für die feine Crema soll sein, von mir aus, ich bin da nicht so. Aber okay, das ist erstens ein anderes Thema, da kann man noch viel drüber streiten, und zweitens Geschmackssache, nun aber wieder zum Thema hipper Milchkaffee.

Der soll, wenn er ein guter sein will, nämlich bitte ebenfalls aus erstklassigem Espresso bestehen und aus erstklassiger Milch ebenso, und an der besteht hierzulande ja nun wirklich kein Mangel. Das sehen einige der neuen Caffelatte-Protagonisten aber offensichtlich anders, beziehungsweise will man sich den Kopf darüber, ob da einer der beiden wesentlichen Bestandteile ihres Umsatzbringers womöglich alt werden könnte, nicht zerbrechen: Ganze Coffeeshop-Ketten, wie zum Beispiel so ein österreichisches Starbucks-Lookalike verwenden H-Milch für ihre Gaffihlahddis (was den Amis übrigens nie einfallen würde, da kommt zumindest frische Milch hinein, das nur dazu). Und wenn dann noch dazu schicke und auf ihre Kaffee-Kultur stolze In-Lokale am Wiener Naschmarkt einen an und für sich echt tadellos runter gedrückten Illy mit einer haltbaren Milch verlängern, ist das eine erstklassige Gelegenheit, um einen dicken Hals zu bekommen. Weil das hat der Professore aus Triest echt nicht verdient! Das ist in mehrerer Hinsicht nicht notwendig. Denn erstens, bitte, hält auch Frischmilch bitte wirklich lang genug, dass man sie bei der derzeitigen Drehung für Milchkaffee heranziehen kann, und zweitens schmeckt erwärmte H-Milch noch grauslicher als dies schon kalte H-Milch tut.

Aber anderes ist in einer Stadt, die sich selbst als der Focus der weltweiten Kaffeekultur versteht, wo man einen ordentlichen Kaffee aber schon seit langem nur beim Italiener bekommt (Ausnahmen bestätigen die Regel), wohl nicht zu erwarten.
von Florian Holzer
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