"Kein Wachstumsboom nach dem Krieg"

15. Oktober 2002, 19:26
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Wirtschaftsnobel- preisträger Joseph Stiglitz sieht im Falle eines Irak-Krieges "sehr negative" Folgen für die Weltwirtschaft

Seoul - Ein Krieg gegen Irak würde nach Einschätzung des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz "sehr negative" Folgen für die Weltwirtschaft haben. Wer auf einen Wachstumsboom durch den Krieg hoffe, werde enttäuscht werden, sagte Stiglitz am Rande des World Knowledge Forum in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul am Dienstag.

Ein militärischer Konflikt mit Irak lasse sich nicht mit der Entwicklung während des Zweiten Weltkrieges vergleichen, der vielen Staaten aus der Krise geholfen und insgesamt einen positiven Einfluss auf das weltweite Wachstum gehabt habe.

Unsicherheit bei Investoren und Verbrauchern

Im Gegensatz zu Irak sei es im Zweiten Weltkrieg zu einer Totalmobilmachung mit immensen Rüstungsausgaben gekommen, sagte Stiglitz vor Journalisten. Im Falle Iraks würden negative Einflüsse wie die Unsicherheit bei Investoren und Verbrauchern sowie voraussichtlich höhere Öl-Preise deshalb den stimulierenden Effekt für bestimmte Wirtschaftsbereiche überwiegen. "Dieser Krieg, wenn er denn stattfindet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen sehr negativen Einfluss haben."

Stiglitz hatte im vergangenen Jahr den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Er war früher Chefvolkswirt der Weltbank und Wirtschaftsberater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Heute gilt er als ausgesprochener Kritiker des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und anderen internationalen Finanzorganisationen.(APA)

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    Joseph Stiglitz: Ein militärischer Konflikt mit dem Irak lässt sich nicht mit der Entwicklung während des Zweiten Weltkriegs vergleichen.

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