Carter kritisiert Nahostpolitik von US-Präsident Bush

15. Oktober 2002, 06:53
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Designierter Friedensnobelpreisträger stellt auch Haltung gegenüber Kuba in Frage

Washington - Der designierte diesjährige Friedensnobelpreisträger Jimmy Carter hat die Nahostpolitik der Regierung von US-Präsident George W. Bush kritisiert. Bush habe offenbar alle Versuche aufgegeben, eine Versöhnung zwischen Israel und den Palästinensern herbeizuführen, sagte Carter am Montag (Ortszeit) in privaten US-Radiostationen. "Wir liegen sozusagen in einem Bett mit den Israelis und reden noch nicht einmal mit den palästinensischen Führern." Um wirksam zwischen beiden Seiten vermitteln zu können, müssten die USA aber das Vertrauen beider Seiten haben, fügte der frühere US-Präsident hinzu. Carter betonte, er betrachte die "fast 30-jährigen Bemühungen" der USA um einen Nahostfrieden als beendet.

Kritik richtete Carter auch gegen die Außenpolitik gegenüber Kuba. Das vier Jahrzehnte alte Wirtschaftsembargo gegen den Karibikstaat müsse aufgehoben werden. Es gebe "keinen Zweifel", dass ein "überwältigender Anteil des amerikanischen Volkes" eine Versöhnung mit dem kommunistischen Staat wolle, sagte Carter weiter. Dazu gehöre auch ein Ende der Reisebeschränkungen. Der "schlecht beratene" Kurs der Bush-Regierung gegenüber Havanna schränke weniger Kuba als die "Freiheit der Amerikaner" ein. Allerdings gebe es im Bundesstaat Florida "eine mächtige kleine Gruppe" von Exil-Kubanern, die "großen Einfluss" auf dortige Wahlergebnisse habe. Bush-Bruder Jeb ist in Florida republikanischer Gouverneur.

Das Nobelkomitee in Oslo hatte Carter am vergangenen Freitag den diesjährigen Friedensnobelpreis für seine "unermüdlichen Anstrengungen" für Demokratie und Menschenrechte zuerkannt. Das Komitee wollte die Entscheidung auch als Kritik an der Politik des amtierenden US-Präsidenten Bush verstanden wissen. Die Auszeichnung wird Carter am 10. Dezember in Oslo verliehen.(APA)

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