Jugend trinkt: Nur die Zahlen schwanken

14. Oktober 2002, 20:07
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Experte warnt vor "Überbewertung" des Problems - Jugend probiert gern

Wien - Das Österreichische Jugendrotkreuz schlägt Alarm: Österreichs Jugendliche lägen beim Missbrauch von Alkohol im europäischen Spitzenfeld. Schon sieben Prozent der elfjährigen Kinder würden einmal wöchentlich Alkohol konsumieren, warnte man am Montag unter Berufung auf das Anton-Proksch-Therapiezentrum für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit. Bei den 15-Jährigen hätte bereits ein Drittel der Mädchen und etwa die Hälfte der Burschen mehrere Rauscherfahrungen gemacht.

"Immer probiert"

"Probiert haben Kinder schon immer", betont Alfred Uhl vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Suchtforschung und verweist darauf, dass sich der Beginn der Pubertät in den vergangenen hundert Jahren um sechs Jahre nach vorn verschoben hat. "Natürlich ist es nicht wünschenswert - aber wenn ein 14-Jähriger zweimal im Monat in der Disco ein Cola-Rum trinkt, sollte man das auch nicht überbewerten."

Uhl wünscht sich eine differenzierte Sichtweise, denn nach jüngsten Zahlen würden tatsächlich nur drei und nicht sieben Prozent der Elfjährigen wöchentlich Alkohol trinken. In älteren Untersuchungen dürfte es nämlich Mehrfachnennungen (Bier, Wein, Rum etc.) gegeben haben. 2001 wurde weiters gemeinsam mit der WHO erhoben, dass sechs Prozent der 13-Jährigen wöchentlich trinken, 34 Prozent der 15-Jährigen.

Von einem dramatischen Anstieg könne, so Uhl, nicht die Rede sein. Alkohol sei ein Erwachsenenproblem - je älter, umso mehr wird getrunken, bis ins hohe Alter steigt der Konsum. Fünf Prozent der erwachsenen Österreicher sind alkoholabhängig. Weitere 13 Prozent sind "Problemtrinker". "Bei den 17-Jährigen sind es ganze zwei Prozent", relativiert Uhl. Insgesamt sei der Alkoholkonsum in den vergangenen 30 Jahren gesunken, weil die Zahl der mäßig Trinkenden stark zurückgegangen sei; die der Alkoholiker bleibt konstant. (fern/DER STANDARD, Printausgabe, 15.10.2002)

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